Warum geht die Mundpflege über das einfache Zähneputzen hinaus?
Die Mundpflege umfasst alle Maßnahmen, die die Zähne, das Zahnfleisch und die Schleimhäute vor den beiden häufigsten Erkrankungen schützen – Karies (bakterielle Zerstörung des Zahnschmelzes) und Gingivitis (reversible Zahnfleischentzündung) sowie deren fortgeschrittene Form, die Parodontitis. Diese beiden Erkrankungen haben dieselbe Ursache: nicht entfernte Zahnbeläge, die sich innerhalb von 24 bis 48 Stunden auf allen nicht geputzten Oberflächen bilden. Zweimal tägliches gründliches Zähneputzen sowiedie täglicheInterdentalhygiene bilden die unverzichtbare Grundlage. DieMund hygieneprodukte sind im Shop erhältlich.
Karies folgt einem präzisen Mechanismus: Die Bakterien im Zahnbelag (S. mutans) vergären Zucker zu Milchsäure, der pH-Wert im Mund sinkt unter 5,5 (kritischer Schwellenwert), Kalzium- und Phosphat-Ionen verlassen den demineralisierten Zahnschmelz. Der Speichel neutralisiert den Säuregehalt nach und nach und ermöglicht die Remineralisierung zwischen den Mahlzeiten – vorausgesetzt, man nascht nicht ständig. Das in den Zahnschmelzkristallen eingebundene Fluorid bildet Fluorapatit, das säurebeständiger ist, und ist das wichtigste Mittel zur Kariesprävention, das zu Hause zur Verfügung steht.
- Fluorid: Wichtige Konzentrationen: 1.450 ppm für Erwachsene (überprüfen Sie die Tube – „natürliche“ oder „weißmachende“ Formulierungen sind oft unterdosiert) — Nach dem Zähneputzen nicht mit Wasser ausspülen (entfernt 80 % des verbleibenden Fluorids) — fluoridhaltige Mundspülung mit 225 ppm abends ohne Ausspülen (nächtliche Remineralisierung) – 2.800–5.000 ppm auf ärztliche Verschreibung bei hohem Risiko
- Mundspülungen: zwei unterschiedliche Gruppen: antibakteriell (Chlorhexidin 0,12–0,20 % – reduziert Zahnbelag um 50 % – Kurdauer 2 bis 4 Wochen) – fluoridhaltig (225 ppm abends – Remineralisierung) — alkoholfrei wählen (Alkohol verschlimmert Mundtrockenheit und Mundgeruch) — Propolis als Mundspray ergänzt die antibakterielle Wirkung auf natürliche Weise
- Zahnaufhellende Zahnpasten: Schleifmittel (hoher RDA-Wert), die oberflächliche Verfärbungen entfernen, ohne auf die intrinsische Pigmentierung einzuwirken – mäßige Anwendung empfohlen (eine intensive tägliche Anwendung auf geschwächtem Zahnschmelz beschleunigt die Erosion) — Zahnaufhellungsformulierungen verbessern den Kariesschutz nicht und sind oft zu fluoridarm dosiert — für ein dauerhaftes Ergebnis bleibt die professionelle Zahnaufhellung die einzige wirksame Option bei intrinsischen Verfärbungen
Wie geht man bei der täglichen Zahnpflege mit Zahnempfindlichkeit und Zahnfleischproblemen um?
Zahnempfindlichkeit tritt auf, wenn das Dentin freiliegt – entweder durch Zahnschmelzverlust (Erosion, zu kräftiges Zähneputzen) oder durch Zahnfleischrückgang. Der Mechanismus ist hydrodynamischer Natur: Hitze, Kälte oder Zucker lösen einen Flüssigkeitsstrom in den Dentintubuli aus, der die Nerven reizt. Zur Behandlung eignen sich desensibilisierende Zahnpasten (5 % Kaliumnitrat – entpolarisiert die Nervenfasern – oder Strontiumchlorid – verschließt die Tubuli mechanisch) sowie eine sanfte Putztechnik (ultraweiche Zahnbürste, Bass-Technik, kein übermäßiger Druck).
- Zahnbürste: Die unumstößlichen Regeln: immer weiche Borsten (harte Borsten schleifen den Zahnschmelz ab und führen zu Zahnfleischrückgang) – kleiner Kopf (Zugang zu den Backenzähnen und lingualen Flächen) – alle 3 Monate austauschen – die oszillierend-rotierende Elektrozahnbürste ist klinisch überlegen (Zahnbelag -21 %, Zahnfleischbluten -11 % im Vergleich zur Handzahnbürste laut Cochrane)
- Zahnfleischpflege im Alltag: Blutungen beim Zähneputzen sind das erste Anzeichen einer Gingivitis (niemals normal) — trotz Blutungen weiterputzen (ein Absetzen hält die Entzündung aufrecht) — Schutz des Zahnfleisches durch SLS-freie Zahnpasten und alkoholfreie Mundspülungen — einen Zahnarzt aufsuchen, wenn die Blutungen länger als 14 Tage anhalten
- Tabak und Mundpflege: erhöht das Risiko für schwere Parodontitis um das 3- bis 7-Fache — verschleiert Zahnfleischbluten durch Gefäßverengung — erhöht das Risiko für Mundkrebs — verlangsamt die Wundheilung nach jedem zahnärztlichen Eingriff — ein Rauchstopp verbessert die Zahnfleischgesundheit innerhalb weniger Wochen
Wann ergänzt die professionelle Zahnpflege die tägliche Mundpflege?
Selbst bei perfekter Mundhygiene gehören bestimmte Maßnahmen weiterhin in die Zuständigkeit des Zahnarztes. Die professionelle Zahnsteinentfernung beseitigt subgingivalen Zahnstein (der innerhalb von 10 bis 15 Tagen verkalkt und durch Zähneputzen nicht mehr zu entfernen ist) – unverzichtbar 1 bis 2 Mal pro Jahr. Zwischenzahnkaries ist mit bloßem Auge nicht erkennbar — nur durch retroalveoläre Röntgenaufnahmen lässt sie sich frühzeitig erkennen. Tiefe Zahnfleischtaschen können nur durch eine professionelle Sondierung beurteilt werden.
- Zahnversiegelungen: In die Fissuren der Backenzähne gegossenes Kunststoffmaterial (Stellen mit sehr hohem Kariesrisiko – schwer zu putzen) — vorteilhaft bei Kindern und Jugendlichen — aber auch bei Erwachsenen mit tiefen Fissuren oder hohem Kariesrisiko — schneller und schmerzfreier Eingriff — Schutzdauer mehrere Jahre, je nach Mundhygiene und Abnutzung
- Professionelle Fluoridlacke: 22.600 ppm – setzen über mehrere Tage Fluorid frei – angezeigt nach Zahnsteinentfernung, bei Trägern von kieferorthopädischen Apparaturen, bei Patienten unter Chemotherapie oder mit chronischer Mundtrockenheit – eine Zahnschmelzstärkung zu Hause ergänzt diese Behandlung
- Anzeichen, die einen unverzüglichen Arztbesuch erfordern: anhaltende Zahnfleischblutungen, spontane Schmerzen, trotz guter Mundhygiene anhaltender Mundgeruch, neu auftretende oder zunehmende Empfindlichkeit, Zahnlockerung, Schleimhautveränderungen, die nicht innerhalb von 14 Tagen abheilen