Was ist Zahnschmelz und warum kann er abgetragen werden?
Zahnschmelz ist die äußere Schicht der Zahnkronen – die härteste Substanz im menschlichen Körper (Härtegrad 5 auf der Mohs-Skala), vollständig mineralisch (zu 96 % aus kristallinem Hydroxylapatit) und frei von lebenden Zellen. Seine Härte ist zugleich seine Schwäche: Ist der Zahnschmelz einmal demineralisiert, regeneriert er sich nicht von selbst. Dagegen sind die frühen Stadien der Demineralisierung (weiße Flecken vor der Kariesbildung) durch Remineralisierung reversibel – dies ist die Grundlage jeder Strategie zur Stärkung des Zahnschmelzes. Produkte zur Verbesserung der Mundhygiene und geeignete Zahnput z hilfen sind im Shop erhältlich.
- Mechanismus der Demineralisierung: Die Bakterien im Zahnbelag (Streptococcus mutans) vergären Zucker zu Milchsäure – der pH-Wert im Mund sinkt unter 5,5 (kritischer Schwellenwert für Hydroxylapatit) – Kalzium- und Phosphat-Ionen verlassen die Zahnschmelzkristalle, um die Säure zu puffern – die Kristallstruktur wird zunehmend brüchig
- Ursachen für Zahnschmelzerosion: häufiger Verzehr säurehaltiger Lebensmittel (Limonaden, Fruchtsäfte, Kombucha, Essig – pH-Wert 2 bis 4, weit unterhalb des Schwellenwerts) — gastroösophagealer Reflux (magen-salzsäure mit einem pH-Wert von 1–2 in Kontakt mit den palatinalen Flächen der Schneidezähne) — Zähneputzen unmittelbar nach einer säurehaltigen Mahlzeit (der durch die Säure vorübergehend aufgeweichte Zahnschmelz wird durch die mechanische Einwirkung des Zähneputzens abgetragen) — Bruxismus (mechanischer okklusaler Verschleiß)
- Anzeichen einer Erosion: kürzere oder an den Schneidekanten durchscheinendere Zähne (Abnutzung der Okklusalflächen) — Vertiefungen auf den palatinalen Flächen (Säureerosion) — Zahnempfindlichkeit gegenüber Kälte, Wärme und Zucker (durch Zahnschmelzverlust freiliegendes Dentin) — gelbliche Verfärbung (das darunterliegende Dentin scheint durch)
- Bruxismus: mechanischer Verschleiß der Okklusal- und Schneidezahnflächen ohne Einwirkung von Säure — nächtliche Aufbissschiene unerlässlich, um das Fortschreiten zu stoppen — ohne sie kann keine remineralisierende Behandlung den nächtlichen Verschleiß ausgleichen
Wie lässt sich der Zahnschmelz stärken: Fluorid, Hydroxylapatit und Remineralisierung?
Bei der Remineralisierung werden die an Kalzium- und Phosphationen verarmten Zahnschmelzkristalle wieder aufgefüllt und idealerweise durch die Einlagerung von Fluorid gestärkt. Fluorid ist der Referenzwirkstoff für die Remineralisierung – es ersetzt die Hydroxylionen des Hydroxylapatits und bildet so Fluorapatit, eine Struktur, die um 30 % säurebeständiger ist (sie demineralisiert bei einem pH-Wert von 4,5 statt bei 5,5 wie Hydroxylapatit). Die Konzentration der Zahnpasta bestimmt ihre Wirksamkeit: 1.450 ppm für Erwachsene (europäischer Standard), 2.800–5.000 ppm auf ärztliche Verschreibung bei hohem Risiko. Nach dem Zähneputzen nicht mit Wasser ausspülen: Durch das Ausspülen werden 80 % des schützenden Restfluorids entfernt.
- Hydroxylapatit (HAp) – natürliche Alternative zu Fluorid: synthetisch hergestellte Hydroxylapatit-Nanopartikel (identisch mit dem Mineral des Zahnschmelzes) – lagern sich direkt in den Mikrohohlräumen des demineralisierten Zahnschmelzes ab — füllt die Dentintubuli bei empfindlichen Zähnen — Option für Personen, die Fluorid vermeiden möchten, oder für Kleinkinder — Wirksamkeit in aktuellen Studien vergleichbar mit 1.000–1.450 ppm Fluorid
- Professionelle Fluoridlacke: 22.600 ppm Fluorid — vom Zahnarzt aufgetragen — setzen über mehrere Tage hinweg Fluorid frei — geeignet für Patienten mit hohem Kariesrisiko, nach Chemotherapie/Strahlentherapie sowie für Träger von kieferorthopädischen Apparaturen — kumulative Wirkung in Verbindung mit der täglichen Zahnpasta
- Fluoridhaltige Mundspülung am Abend: 225 ppm – ohne anschließendes Ausspülen mit Wasser – der Fluoridfilm wirkt die ganze Nacht über auf den Zahnschmelz – sollte in einem zeitlichen Abstand zum Zähneputzen angewendet werden, um das Fluorid der Zahnpasta nicht zu verdünnen – nicht empfohlen vor dem 6. Lebensjahr (Risiko einer Fluorose bei Verschlucken)
- Kalzium- und Vitamin-D-Präparate: Vitamin D ist für die Kalziumaufnahme im Darm unerlässlich – ein Mangel verringert die Remineralisierung des Alveolarknochens und des Zahnschmelzes – insbesondere bei älteren Menschen und Schwangeren – vor der Einnahme sollte der Serumspiegel überprüft werden
Ernährung und tägliche Maßnahmen zum Schutz des Zahnschmelzes
Der pH-Wert im Mund ist der wichtigste Regulator der Demineralisierung. Jede Einnahme von sauren Speisen oder Getränken führt zu einem Absinken des pH-Werts unter 5,5 für 20 bis 30 Minuten – der Speichel neutralisiert die Säure nach und nach, und der pH-Wert steigt wieder an. Wenn säurehaltige Nahrungs- oder Getränkeaufnahmen schnell aufeinanderfolgen (Naschen, Nippen an zuckerhaltigen Getränken), steigt der pH-Wert zwischen den Aufnahmen nie ausreichend wieder an, und der Zahnschmelz wird kontinuierlich entmineralisiert. Praktischer Tipp: Nach dem Verzehr saurer Lebensmittel oder Getränke Wasser zu trinken oder einen zuckerfreien Kaugummi mit Xylitol zu kauen, beschleunigt die Rückkehr zum neutralen pH-Wert.
- Remineralisierende Lebensmittel: Hartkäse (alkalisieren den pH-Wert im Mund + bioverfügbares Kalzium) — Milch und Joghurt (Kalzium + Phosphor) — Nüsse und Mandeln (Kalzium + Phosphor + Magnesium) – Fisch mit Gräten (Kalzium) – grünes Gemüse (Kalzium + Magnesium) – kalziumhaltiges Mineralwasser
- Wichtige Schutzmaßnahmen: Nach einer säurehaltigen Mahlzeit 30 Minuten warten, bevor man die Zähne putzt — säurehaltige Getränke mit einem Strohhalm trinken (verringert den Kontakt mit den gaumen- und vestibulären Flächen) — saure Getränke nicht im Mund herumwirbeln lassen — sofort nach dem Genuss eines kohlensäurehaltigen oder sauren Getränks mit Wasser spülen — Kariesprophylaxe und Stärkung des Zahnschmelzes sind eng miteinander verbunden
- Wann sollte man einen Zahnarzt aufsuchen: zunehmende Zahnempfindlichkeit, sich verkürzende Zähne, sichtbare Vertiefungen an den Gaumenflächen, trübe weiße Flecken auf dem Zahnschmelz – der Zahnarzt beurteilt den Schweregrad und schlägt eine Remineralisierungsbehandlung vor oder, falls der Zahnschmelz zu stark geschädigt ist, einen Schutz durch Komposit, Veneer oder Krone