Trockene Augen sind die Folge einer Instabilität oder eines Mangels des Tränenfilms – jener dünnen, dreiteiligen Schicht, die die Hornhaut bedeckt und schützt. Dabei wirken zwei Hauptmechanismen zusammen: der wässrige Mangel (unzureichende Produktion durch die Tränendrüsen, häufig ab dem 40. Lebensjahr, vor allem in den Wechseljahren) sowie der Verdunstungsverlust (beschleunigte Verdunstung durch eine Funktionsstörung der Meibom-Drüsen, häufig bei Bildschirmnutzern und Kontaktlinsenträgern). Die häufigsten auslösenden Faktoren sind die Bildschirmnutzung (Verringerung des Blinzelns von 15–20 auf 3–7 Mal pro Minute), Klimaanlagen, das Tragen von Kontaktlinsen, bestimmte Medikamente (Antihistaminika, Antidepressiva, Betablocker) sowie hormonelle Veränderungen.
Borretschöl (Borago officinalis) ist reich an Gamma-Linolensäure (GLA, 22–26 %) und der am besten dokumentierte Nahrungswirkstoff bei evaporativem trockenen Auge. Sein GLA ist eine Vorstufe von PGE1 – einem entzündungshemmenden Mediator, der die Sekretion der Tränendrüsen anregt und die Qualität der Lipidschicht des Tränenfilms verbessert. Randomisierte klinische Studien (Barabino et al., 2003; Kokke et al., 2008) zeigen, dass eine Supplementierung mit 360 mg GLA pro Tag die Symptome des trockenen Auges signifikant reduziert und die Tränenfilm-Bruchzeit nach 3 Monaten verbessert. Bei Frauen in den Wechseljahren ergänzt seine Wirkung auf die Tränendrüsen sinnvoll die Hormontherapie.
Retinol (Vitamin A) ist für die Unversehrtheit der Tränenbecherzellen der Bindehaut unerlässlich, die das Mucin produzieren, aus dem die innere Schicht des Tränenfilms besteht. Ein Mangel führt zu einer squamösen Metaplasie dieser Zellen – ohne ausreichendes Mucin haftet der Tränenfilm nicht mehr an der Hornhaut und wird instabil. Die Vitamin-A-Augensalbe ist die Standardtherapie bei schweren Keratitis sicca. Bei oraler Einnahme sorgt eine Zufuhr von 700 bis 900 µg ER/Tag für den Erhalt der Integrität der Augen-Schleimhautoberflächen. Subklinische Mangelzustände treten häufig bei restriktiven Ernährungsweisen und bei älteren Menschen auf.
Ein erhöhter Cortisolspiegel hemmt die Sekretion der Tränendrüsen, indem er die Produktion von Tränenprolaktin verringert und die vasokonstriktiven sympathischen Bahnen aktiviert. Magnesium senkt chronisch erhöhten Cortisolspiegel – ein Magnesiummangel, der sehr häufig auftritt (laut INCA-Studien bei 60 % der französischen Erwachsenen), verschlimmert indirekt die Augentrockenheit bei Patienten unter starkem Stress. Bei einer Dosierung von 300–400 mg/Tag als Bisglycinat oder Glycerophosphat verbessert seine Wirkung auf die Schlafqualität zudem die nächtliche Erholung der Tränendrüsen.
Die Wahl hängt von der Anwendungshäufigkeit und der Empfindlichkeit gegenüber Konservierungsstoffen ab. Das Benzalkoniumchlorid in Mehrfachdosenflaschen wirkt ab 4 bis 6 Instillationen pro Tag zytotoxisch auf das Hornhaut- und Bindehautepithel – konservierungsmittelfreie Einzeldosen sind für häufige Anwender und empfindliche Augen grundsätzlich vorzuziehen. Die Viskosität bestimmt die Darreichungsform: ein Gel mit hochmolekularer Hyaluronsäure (Hylo-Lipid, Vismed) bei starker Trockenheit, eine leichte Lösung bei leichten bis mittelschweren Formen. Auf den Seiten „Sehkomfort“ und „Müde Augen“ finden Sie die für jedes Profil geeigneten Produkte und Ergänzungsmittel.