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Rhabarber: Verdauung, Leber und Haut

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Was ist Rhabarber?

Der medizinische Rhabarber (Rheum officinale, Rheum palmatum) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Polygonaceae, die ursprünglich aus China stammt und seit mehr als zwei Jahrtausenden in der traditionellen chinesischen Medizin (Da Huang) verwendet wird. Ihre Wurzel enthält zwei Klassen von Molekülen mit gegensätzlicher Wirkung: Anthrachinone (Sennosid-ähnliche Verbindungen, Rhein, Emodin), die für die abführende Wirkung verantwortlich sind, und Tannine, die in geringer Dosierung eine adstringierende Wirkung ausüben. Diese Dualität erklärt ihre Verwendung, die durch das Europäische Arzneibuch und die EMA geregelt ist.

Welche Vorteile bietet die Rhabarberwurzel?

Ihre anerkannten traditionellen Anwendungsgebiete konzentrieren sich auf den Verdauungsbereich:

  • Linderung von gelegentlicher Verstopfung durch stimulierende abführende Wirkung;
  • Unterstützung bei träger Darmtätigkeit;
  • Verdauungsfördernde Bitterwirkung, die die Magen- und Gallensekretion anregt;
  • Adstringierende Wirkung in geringer Dosierung auf die Verdauungsschleimhäute;
  • Gelegentliche Unterstützung bei Verdauungsstörungen.

Wichtig: Rhabarber ist nicht für eine längere tägliche Einnahme geeignet. Bei chronischer Verstopfung sind präbiotische Ballaststoffe (Flohsamen, Inulin) besser geeignet.

Warum gilt er als anerkanntes natürliches Abführmittel?

Die Anthrachinone gelangen bis in den Dickdarm, wo sie von der Darmflora in sanft reizende Moleküle umgewandelt werden, die die Peristaltik anregen und die intraluminale Wasserabsonderung erhöhen. Die Wirkung tritt 6 bis 12 Stunden nach der Einnahme ein, weshalb die Einnahme am Abend für eine Wirkung am Morgen sinnvoll ist. Aufgrund dieses Wirkmechanismus wird Rhabarber zu den stimulierenden Abführmitteln gezählt, die sich von osmotischen oder Ballastmittel-Abführmitteln unterscheiden, welche bei längerer Anwendung schonender sind.

Wie unterstützt es die Verdauung und die Leber?

In geringer Dosierung regt die Bitterkeit des Rhabarbers die Gallen- und Magensaftsekretion an, unterstützt die Fettverdauung und fördert die Entgiftungsfunktion der Leber – ohne dabei die Schwelle zur abführenden Wirkung zu überschreiten. Diese Eigenschaft erklärt seine traditionelle Kombination in der chinesischen Medizin mit Pflanzen wieArtischocke oder Enzian in bitteren Verdauungsrezepturen.

Wie lange darf eine Kur maximal dauern?

Die EMA und die ESCOP legen eine strenge Grenze fest : maximal 1 bis 2 Wochen, niemals ununterbrochen. Darüber hinaus birgt die längere Einnahme von Anthrachinonen folgende Risiken:

  • einer Gewöhnung des Dickdarms (Verlust der Reaktionsfähigkeit auf natürliche Signale);
  • einer Hypokaliämie durch Kaliumverlust im Stuhl;
  • einer kolischen Pseudomelanose (gutartige, aber reversible Pigmentierung);
  • einer paradoxen Verschlimmerung der Verstopfung nach Absetzen der Behandlung.

Rhabarber sollte nur gelegentlich angewendet werden.

Wie wird Rhabarber in der Praxis angewendet?

Die Darreichungsformen hängen vom Behandlungsziel ab:

  • Wurzelabkochung: 0,5 bis 1 g Wurzel auf 250 ml Wasser, 10 Minuten köcheln lassen, abends trinken;
  • Kapseln mit standardisiertem Anthrachinon-Extrakt (in der Regel 20 bis 30 mg Hydroxyanthracen-Derivate pro Tag);
  • Urtinktur: 20 bis 30 Tropfen abends, in einem Glas Wasser verdünnt;
  • Frische Stängel in der Küche (Kompott, Torte): als Lebensmittel, ohne nennenswerte abführende Wirkung;
  • Immer abends einnehmen, niemals auf nüchternen Magen, mit einem großen Glas Wasser.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind bei Rhabarber zu beachten?

Als wirkungsstarke Pflanze ist der Rhabarber in mehreren Situationen streng kontraindiziert:

  • Darmverschluss, akutes Abdomen, Blinddarmentzündung, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa);
  • Niereninsuffizienz und Oxalatsteine in der Vorgeschichte (Vorhandensein von Oxalsäure);
  • Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren;
  • Behandlung mit Diuretika, Kortikosteroiden, Digitalispräparaten, Antiarrhythmika (Risiko einer Hypokaliämie);
  • Giftige Blätter: niemals verzehren (hoher Oxalatgehalt);
  • Keine längere Anwendung ohne ärztlichen Rat.

Welche Pflanzen lassen sich gut mit Rhabarber kombinieren?

Die pflanzlichen Synergien hängen davon ab, ob es sich um eine punktuelle Anwendung oder um den Übergang zu einem sanfteren Ansatz handelt:

  • Löwenzahn und Artischocke zur gemeinsamen Unterstützung der Leber und der Gallenwege;
  • Flohsamen und Inulin als sanfte Übergangslösung bei chronischer Verdauungsstörung;
  • Eibisch und Malve zum gleichzeitigen Schutz der Schleimhäute;
  • Probiotika zur Unterstützung einer ausgeglichenen Darmflora während und nach der Kur.