Der medizinische Rhabarber (Rheum officinale, Rheum palmatum) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Polygonaceae, die ursprünglich aus China stammt und seit mehr als zwei Jahrtausenden in der traditionellen chinesischen Medizin (Da Huang) verwendet wird. Ihre Wurzel enthält zwei Klassen von Molekülen mit gegensätzlicher Wirkung: Anthrachinone (Sennosid-ähnliche Verbindungen, Rhein, Emodin), die für die abführende Wirkung verantwortlich sind, und Tannine, die in geringer Dosierung eine adstringierende Wirkung ausüben. Diese Dualität erklärt ihre Verwendung, die durch das Europäische Arzneibuch und die EMA geregelt ist.
Ihre anerkannten traditionellen Anwendungsgebiete konzentrieren sich auf den Verdauungsbereich:
Wichtig: Rhabarber ist nicht für eine längere tägliche Einnahme geeignet. Bei chronischer Verstopfung sind präbiotische Ballaststoffe (Flohsamen, Inulin) besser geeignet.
Die Anthrachinone gelangen bis in den Dickdarm, wo sie von der Darmflora in sanft reizende Moleküle umgewandelt werden, die die Peristaltik anregen und die intraluminale Wasserabsonderung erhöhen. Die Wirkung tritt 6 bis 12 Stunden nach der Einnahme ein, weshalb die Einnahme am Abend für eine Wirkung am Morgen sinnvoll ist. Aufgrund dieses Wirkmechanismus wird Rhabarber zu den stimulierenden Abführmitteln gezählt, die sich von osmotischen oder Ballastmittel-Abführmitteln unterscheiden, welche bei längerer Anwendung schonender sind.
In geringer Dosierung regt die Bitterkeit des Rhabarbers die Gallen- und Magensaftsekretion an, unterstützt die Fettverdauung und fördert die Entgiftungsfunktion der Leber – ohne dabei die Schwelle zur abführenden Wirkung zu überschreiten. Diese Eigenschaft erklärt seine traditionelle Kombination in der chinesischen Medizin mit Pflanzen wieArtischocke oder Enzian in bitteren Verdauungsrezepturen.
Die EMA und die ESCOP legen eine strenge Grenze fest : maximal 1 bis 2 Wochen, niemals ununterbrochen. Darüber hinaus birgt die längere Einnahme von Anthrachinonen folgende Risiken:
Rhabarber sollte nur gelegentlich angewendet werden.
Die Darreichungsformen hängen vom Behandlungsziel ab:
Als wirkungsstarke Pflanze ist der Rhabarber in mehreren Situationen streng kontraindiziert:
Die pflanzlichen Synergien hängen davon ab, ob es sich um eine punktuelle Anwendung oder um den Übergang zu einem sanfteren Ansatz handelt: