Der Begriff „mikrobiotischer Stamm“ bezeichnet die genaueste Identifikationsstufe eines probiotischen Mikroorganismus – genauer als die Gattung oder die Art allein. Es ist der spezifische Stamm, der die klinische Indikation eines Probiotikums, seine Magenresistenz, seine Wechselwirkungen mit der vorhandenen Mikrobiota und seine wissenschaftliche Dokumentation bestimmt. Zwei Probiotika derselben Gattung und Art können je nach Stamm völlig unterschiedliche Wirkungen haben. Entdecken Sie unser Probiotika-Sortiment.
Wie lässt sich ein probiotischer Stamm identifizieren?
Die vollständige Nomenklatur eines Probiotikums umfasst drei Ebenen – alle drei sind unerlässlich, um ein Produkt mit klinischen Daten auszuwählen.
- Gattung: Lactobacillus, Bifidobacterium, Saccharomyces – breite taxonomische Kategorie
- Gattung: rhamnosus, longum, boulardii – beschreibt die allgemeinen Eigenschaften der Gattung
- Stamm (alphanumerischer Code): GG, 35624, NCIMB 30242, DSM 17938 – eindeutige Kennung, die mit den durchgeführten klinischen Studien verknüpft ist
- Vollständiges Beispiel: Lactobacillus rhamnosus GG – „GG“ ist der Stammcode, der auf über 1.000 spezifische klinische Veröffentlichungen verweist
- Ein Produkt, das lediglich „Lactobacillus acidophilus“ ohne Stammcode angibt, kann die Wirkungen der veröffentlichten Studien nicht garantieren
Wichtige Stämme und ihre dokumentierten Indikationen?
Jeder Stamm hat sein eigenes Indikationsprofil – die Stämme sind nicht austauschbar.
- L. rhamnosus GG (LGG, ATCC-Code 53103): akuter Durchfall bei Kindern, Durchfall nach Antibiotikabehandlung, Reisedurchfall – der weltweit am besten untersuchte probiotische Stamm
- L. reuteri DSM 17938: Kolik bei Säuglingen, Erbrechen, Verstopfung bei Kindern – Referenzstamm für die Neonatologie
- L. plantarum 299v: Reizdarmsyndrom, Blähungen und Gasbildung, Verdauungskomfort – mehrere positive RCTs
- B. longum 35624 (Alflorex): Reizdarmsyndrom mit Angstkomponente, Darm-Hirn-Achse – dokumentierter psychobiotischer Stamm
- Saccharomyces boulardii CNCM I-745: C.-difficile-Durchfall, Durchfall nach Antibiotikatherapie, Reisedurchfall – antibiotikaresistente Hefe
- L. acidophilus NCFM: Laktoseverdauung, Darmimmunität, vaginale Gesundheit – vielseitiger, umfassend dokumentierter Stamm
KBE und Lebensfähigkeitsgarantie: Wie liest man die Etiketten?
Die KBE (Koloniebildende Einheiten) sind der zentrale quantitative Indikator – doch die Art und Weise, wie sie angegeben werden, bestimmt ihren tatsächlichen Wert.
- „Bis zum Verfallsdatum“: KBE bis zum Verfallsdatum garantiert – die aussagekräftigste Angabe
- „Zum Herstellungsdatum“: KBE zum Zeitpunkt der Herstellung – können je nach Lagerbedingungen bis zum Verfallsdatum um bis zu 90 % gesunken sein
- Richtwerte für die Dosierung nach Indikation: Verdauung (1–5 Milliarden), Immunität (5–10 Milliarden), nach Antibiotikatherapie (10–50 Milliarden)
- Die Magenresistenz hängt von der Darreichungsform ab, nicht von der KBE-Zahl – HPMC-Kapseln oder DRcaps für säureempfindliche Stämme
- Lagertemperatur: Prüfen, ob Kühlung erforderlich ist – bestimmte mikroverkapselte Formulierungen sind bei Raumtemperatur stabil
Stämme und Allergien: Wie lässt sich vorbeugen?
Bestimmte probiotische Stämme werden hinsichtlich ihrer präventiven Rolle bei Allergien untersucht – einer der aktivsten Bereiche der Forschung.
- L. rhamnosus GG + B. lactis Bb12: nachgewiesene Verringerung des Risikos für atopisches Ekzem bei Risikokindern (Metaanalysen)
- Nahrungsergänzung für die Mutter am Ende der Schwangerschaft + für den Säugling in den ersten 6 Monaten: untersuchte Protokolle zur perinatalen Immunprogrammierung
- Psychobiotische Stämme (B. longum 35624, L. helveticus R0052): Darm-Hirn-Achse und Modulation des enterischen Nervensystems
- Die Stämme wirken auf die Immuntoleranz ein, indem sie Tregs (regulatorische Lymphozyten) stimulieren – ein gemeinsamer Mechanismus für antiallergische Wirkungen
Wie lassen sich Stämme und Präbiotika kombinieren?
Die Kombination aus Stamm(en) und Präbiotikum(en) bildet ein Synbiotikum – die umfassendste Ergänzungsstrategie.
- Bifidobacterium + Inulin/FOS: Bifidobakterien fermentieren bevorzugt Inulin – eine in synbiotischen Formulierungen dokumentierte Kombination – siehe Inulin
- Lactobacillus + Akazienfasern: gut verträgliche, schrittweise Fermentation, präbiotische Wirkung ohne übermäßige Gasbildung
- S. boulardii: Hefe, die von Präbiotika nicht beeinflusst wird – kann beliebig mit Ballaststoffen kombiniert werden
- Das Präbiotikum ernährt die zugeführten Bakterien und fördert deren vorübergehende Ansiedlung im Dickdarm
- Siehe unsere Auswahl an Präbiotika und Milchsäurebakterien für eine umfassende Nahrungsergänzung