Was ist eine Leberzirrhose und wie entsteht sie?
Eine Leberzirrhose ist eine irreversible Vernarbung der Leber – ein fortschreitender Ersatz des funktionellen Lebergewebes durch Fibrose und Regenerationsknötchen –, die zum Verlust der Leberfunktionen führt. Sie stellt das häufigste Endstadium zahlreicher chronischer Lebererkrankungen dar. Arnaud, Doktor der Pharmazie, weist darauf hin, dass bei jedem Leberzirrhose-Patienten eine halbjährliche Ultraschalluntersuchung unerlässlich ist. Siehe unseren Hub zu Lebererkrankungen.
- Chronischer Alkoholismus: häufigste Ursache in Frankreich — > 20 g/Tag bei Frauen, > 30 g/Tag bei Männern über > 10 Jahre — Steatose → alkoholische Hepatitis → Leberzirrhose — vollständiger Alkoholverzicht = einzige Maßnahme, die die Prognose beeinflusst
- Chronische Hepatitis B und C: HCV → Leberzirrhose in 20–30 Jahren in 20–30 % der Fälle — eine antivirale Therapie (DAA bei HCV) kann eine frühe Fibrose stabilisieren oder sogar rückgängig machen — siehe unsere Seite zu Hepatitis
- NASH (nichtalkoholische Steatohepatitis): stark zunehmende Ursache — im Zusammenhang mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und dem metabolischen Syndrom — Gewichtsabnahme um 7–10 % = nachgewiesene Verbesserung der Fibrose
- Seltenere Ursachen: primäre biliäre Zirrhose, sklerosierende Cholangitis, Hämochromatose (Eisenüberladung), Morbus Wilson (Kupfer)
- Leberfibrose: Stadien F0–F4 (METAVIR) – Fibroscan (Puls-Elastographie) beurteilt die Fibrose ohne Biopsie – F4 = voll entwickelte Zirrhose
Komplikationen der Zirrhose und Warnzeichen
- Portaler Hypertonus (PH): Behinderung des portalen Blutflusses → Anstieg des Drucks in der Pfortader → Ösophagus- und Magenvarizen (Risiko einer Ruptur und massiver gastrointestinaler Blutungen)
- Aszites: Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle — Hypoalbuminämie + PH — Behandlung: strenge salzfreie Diät (< 2 g/Tag) + Diuretika (Spironolacton) + Aszitespunktionen bei therapieresistentem Aszites
- Hepatische Enzephalopathie: Anreicherung von nicht entgiftetem Ammoniak → Verwirrtheit, Asterixis, Koma — Lactulose oral (säuert den Dickdarm an, bindet NH₃) + Rifaximin — siehe unsere Seite zu Leberversagen
- Hepatozelluläres Karzinom (HCC): Tritt jährlich bei 3–5 % der Zirrhosepatienten auf — obligatorische Vorsorge: Ultraschall + αFP alle 6 Monate — Behandlung: Ablation, Chemoembolisation, Transplantation je nach Stadium
- Gelbsucht: siehe unsere Seite „Gelbsucht“ — unkonjugiertes Bilirubin reichert sich bei dekompensierter Zirrhose an — Zeichen einer schlechten Prognose (Child-Pugh-Score + MELD)
Behandlung, Ernährung und ergänzende Maßnahmen
- Vollständige Alkoholabstinenz: unabdingbare Voraussetzung – verbessert die Überlebensrate selbst bei fortgeschrittener Leberzirrhose – mögliche Rückbildung der Fibrose in frühen Stadien
- Lebertransplantation: einzige kurative Behandlung – Kriterien: MELD > 15 oder therapieresistente Komplikationen – 6 Monate nachweisbare Alkoholabstinenz zwingend erforderlich – 5-Jahres-Überlebensrate: 75–80 %
- Ernährung bei Leberzirrhose: Eiweiß 1,2–1,5 g/kg/Tag (Mythos der Eiweißrestriktion — Myopathie = wichtiger Prognosefaktor) — 5–6 kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt — nächtliche Zwischenmahlzeit reich an komplexen Kohlenhydraten (begrenzt den Katabolismus) — Salz < 2 g/Tag bei Aszites
- Mariendistel (Silymarin): leberschützend zur Unterstützung — bei hoher Dosierung nachweislich antifibrotisch — positive Daten bei kompensierter Leberzirrhose — ärztliche Beratung zwingend erforderlich
- Zink 25–45 mg/Tag + Vitamin D3 (nahezu universeller Mangel bei Leberzirrhose): Unterstützung des Immunsystems und des Stoffwechsels — als Ergänzung zur fachärztlichen hepatologischen Betreuung
Medizinische Betreuung, Prävention und psychologische Auswirkungen
- Spezialisierte hepatologische Betreuung: Konsultation alle 3–6 Monate — Laboruntersuchung (TP/INR + ASAT/ALAT + Bilirubin + Albumin + Kreatinin + Blutbild) — Jährlicher Fibroscan — αFP + Ultraschall alle 6 Monate (HCC-Früherkennung)
- Endoskopie des oberen Verdauungstrakts (EOGD): Erstuntersuchung und Überwachung von Ösophagusvarizen — prophylaktische Behandlung mit Propranolol oder Ligatur bei ausgeprägten Varizen
- Impfungen: Hepatitis A und B (falls nicht immunisiert), Pneumokokken, jährliche Grippeimpfung — relative Immunsuppression im Zusammenhang mit der Leberzirrhose
- Psychologische Auswirkungen: häufige Angstzustände, Depressionen — psychologische Betreuung + Patientenverbände (AFEF, SOS Hépatites) — eine hepatische Enzephalopathie kann psychiatrische Störungen vortäuschen
- Zu vermeidende Medikamente: NSAR (Niereninsuffizienz + gastrointestinale Blutungen), Aminoglykoside, Paracetamol > 2 g/Tag — vor der Einnahme jedes neuen Medikaments oder Nahrungsergänzungsmittels stets den Facharzt konsultieren