Was ist Hepatitis und welche Arten von hepatotropen Viren gibt es?
Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, die meist durch ein hepatotropes Virus verursacht wird. Sie kann zu einer chronischen Form, einer Leberzirrhose oder einem Leberzellkarzinom führen, wenn sie nicht diagnostiziert und behandelt wird. Arnaud, Doktor der Pharmazie, betont: Jeder Verdacht auf Hepatitis rechtfertigt eine unverzügliche serologische Untersuchung. Siehe unseren Hub zu Lebererkrankungen und unsere Seite zu Gelbsucht für die sichtbaren Anzeichen.
- Hepatitis A (HAV): fäkal-orale Übertragung (kontaminiertes Wasser/Lebensmittel, rohe Meeresfrüchte) – Epidemien in Gebieten mit schlechten hygienischen Verhältnissen + Reisende – milde, selbstlimitierende akute Form (Genesung innerhalb von 1–3 Monaten) – kein Übergang in eine chronische Form – Impfung verfügbar (2 Dosen, Schutz > 95 %)
- Hepatitis B (HBV): Übertragung durch Blut + sexuell + vertikal (Mutter → Kind) – weltweit 250 Millionen chronische Träger – Risiko einer Chronifizierung: 90 % bei neonataler Infektion, 5 % bei Infektion im Erwachsenenalter – seit 2018 in Frankreich obligatorische Impfung für Säuglinge
- Hepatitis C (HCV): Übertragung durch Blut (gemeinsame Nutzung von Spritzen, nicht sterile Tätowierungen, Transfusionen vor 1992) — 170.000 chronische Träger in Frankreich — in 80 % der Fälle 20–30 Jahre lang asymptomatisch — zu > 95 % durch DAAs (direkt wirkende Antivirale, 8–12 Wochen) heilbar
- Hepatitis D (HDV): Begleitinfektion des HBV (Koinfektion oder Superinfektion) — ausschließlich bei HBsAg-Trägern — schwere Verläufe — durch HBV-Impfung vermeidbar
- Hepatitis E (HEV): fäkal-orale Übertragung (in Europa unzureichend gegartes Schweine- oder Wildschweinfleisch) — milder akuter Verlauf bei immunkompetenten Personen — schwerer Verlauf bei Schwangeren (Sterblichkeitsrate 20–25 %) und immunsupprimierten Personen — in Frankreich kein Impfstoff verfügbar
Symptome, Diagnose und Verlauf zur Chronifizierung
- Akute Phase: Müdigkeit, Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen im rechten Oberbauch → Gelbsucht + dunkler Urin + heller Stuhl — stark erhöhte Transaminasen (ALAT > 10-facher Normalwert)
- Silent Hepatitis C: 80 % der Fälle ohne Symptome – Zufallsbefund bei einer Untersuchung oder im Rahmen eines systematischen Screenings – Screening in Frankreich empfohlen (einmalige HCV-Serologie im Leben für alle Erwachsenen zwischen 18 und 75 Jahren)
- Übergang in eine chronische Erkrankung: HBV → 5–10 % der Erwachsenen, 90 % der Säuglinge — HCV → 80 % — HDV → 90 % — Langzeitrisiko: Leberzirrhose + hepatozelluläres Karzinom
- Serologische Diagnostik: HBsAg + Anti-HBV + Anti-HAV-IgM + HCV-RNA (PCR) + Anti-HEV-IgM — Leberwerte (ASAT/ALAT/GGT) + Ultraschall + Fibroscan (Fibrose-Beurteilung)
- Notfälle: fulminante Hepatitis (Gelbsucht + Enzephalopathie + TP < 50 %) → dringende Transplantation — siehe unsere Seite „Leberversagen“
Antivirale Therapien und begleitende Maßnahmen
- Hepatitis C — DAAs: Sofosbuvir + Ledipasvir/Velpatasvir — Heilungsrate > 95 % — 8–12 Wochen — in Frankreich zu 100 % erstattet — systematische Vorsorgeuntersuchungen = die beste Prävention
- Chronische Hepatitis B: Tenofovir oder Entecavir (Virostatika) — Kontrolle der Virusreplikation ohne Heilung in den meisten Fällen — lebenslange Therapie — halbjährliche Überwachung
- Hepatitis A und E: symptomatische Behandlung — Ruhe, Flüssigkeitszufuhr, leichte Kost — Paracetamol in reduzierter Dosis (max. 2 g/Tag) bei Schmerzen — alle lebertoxischen Medikamente vermeiden
- Mariendistel (Silymarin): Leberschutzmittel zur Unterstützung bei chronischer Hepatitis B und C – schützt die Leberzellen vor oxidativem Stress – Ergänzung zur antiviralen Therapie, niemals als Ersatz – siehe unsere Seite zu Leberschutzmitteln
- Häufiger Vitamin-D3-Mangel bei chronischen Hepatitiden – Supplementierung mit 1.000–2.000 IE/Tag – Auswirkungen auf die Leberimmunität und die Fibrose
Impfung, Prävention und Ernährung
- HAV-Impfung: 2 Dosen – empfohlen für Reisende, Angehörige der Gesundheitsberufe, Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen, Menschen mit Lebererkrankungen – Schutz > 95 % ab Tag 15
- Hepatitis-B-Impfung: 3 Dosen (Impfschema 0–1–6 Monate) – obligatorisch für Säuglinge, empfohlen für medizinisches Fachpersonal, Partner von HBsAg-positiven Personen, immunsupprimierte Patienten – Kontrolle der Anti-HBs-Antikörper (Titer > 10 mUI/ml = Schutz)
- HCV-Prävention: Einwegspritzen, steriles Tätowierungs- und Piercing-Material, Kondom bei mehreren Sexualpartnern, einmaliger serologischer Test für alle Erwachsenen im Alter von 18–75 Jahren empfohlen
- Ernährung bei Hepatitis: Alkohol streng verboten (verschlimmert die Zytolyse) — proteinreiche Ernährung mit 1–1,2 g/kg/Tag (zur Regeneration der Leberzellen) — leicht verdauliche Lebensmittel — gesättigte Fette einschränken
- Nachsorge nach geheilter Hepatitis C: HCV-RNA-Kontrolle 12 Wochen nach der Behandlung + Leberwerte nach 6 Monaten — bei vorbestehender Zirrhose → Überwachung des αFP-Werts + Ultraschalluntersuchung alle 6 Monate (Restrisiko für HCC auch nach Heilung)