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Harnstoff: Der feuchtigkeitsspendende und keratolytische Wirkstoff im Detail

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Was ist Harnstoff?

Harnstoff ist eine Verbindung, die natürlicherweise in der Haut vorkommt und dort Teil des natürlichen Feuchtigkeitsfaktors (NMF, Natural Moisturizing Factor) ist. In der Hornschicht trägt er zur Wasserspeicherung, zur Geschmeidigkeit der Haut und zur physiologischen Erneuerung der oberflächlichen Zellen bei.

In der Kosmetik wird Harnstoff aufgrund zweier gut dokumentierter Eigenschaften eingesetzt, die je nach Konzentration variieren: feuchtigkeitsspendend in geringer Dosierung, keratolytisch (Entfernung überschüssiger Hornzellen) in höherer Konzentration. Er wird traditionell bei trockener, rauer, dehydrierter Haut oder bei einer Verdickung der Hornschicht empfohlen und ergänzt die Behandlung bestimmter chronischer Hauterkrankungen wieEkzeme oder Psoriasis.

Was sind die Vorteile von Harnstoff?

Harnstoff vereint mehrere gut erforschte Wirkungen auf die Haut:

  • Feuchtigkeitsversorgung: Bindet Wasser in der Hornschicht und stärkt die Hautbarriere.
  • Glättende Wirkung auf raue Hautstellen (Ellbogen, Knie, Fersen).
  • Sanftes Peeling ab ca. 10 %: Entfernt nach und nach überschüssige Hornzellen und glättet das Hautbild.
  • Hautkomfort bei spannender oder juckender Haut.
  • Unterstützt die Regeneration der Haut bei Rissen, Schrunden und sehr trockenen Stellen.
  • Optimierung des Eindringens nachfolgender Pflegeprodukte durch feuchtigkeitsspendende und keratolytische Wirkung.
  • Unterstützt bei der Behandlung von Hornhaut, Hühneraugen und rissigen Fersen bei lokaler Anwendung.
  • Linderung von Hautbeschwerden an von Ekzemen oder Psoriasis betroffenen Stellen (als Ergänzung zu einer verschriebenen Behandlung).

Harnstoff „heilt“ weder Ekzeme noch Psoriasis: Er ergänzt die Pflege, ersetzt jedoch kein Dermokortikoid oder eine medizinische Behandlung, wenn diese angezeigt ist.

Wie wird Harnstoff in der Kosmetik eingesetzt?

Harnstoff ist in vielen dermatologischen Pflegeprodukten in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten, und seine Wirkung variiert je nach Dosierung:

  • 2 bis 5 %: vorwiegend feuchtigkeitsspendende Wirkung, geeignet für das Gesicht und trockene, empfindliche Haut.
  • 5 bis 10 %: feuchtigkeitsspendende und hautberuhigende Wirkung, nützlich für Hände, Arme und Beine bei ausgeprägter Trockenheit.
  • 10 bis 20 %: allmählich keratolytische Wirkung, empfohlen für verdickte Hautstellen (Ellbogen, Knie, Fersen), Keratose pilaris oder schuppige Haut.
  • 20 bis 30 %: Starke keratolytische Wirkung, angezeigt bei ausgeprägten Hornhautstellen, stark rissigen Fersen oder bestimmten dermatologischen Erkrankungen.
  • Über 30 % bis 40 %: gezielte dermatologische Anwendung, ärztlich verschrieben für spezifische Indikationen (Keratosen, adjuvante Behandlung bestimmter Nagelpilzinfektionen).

Anwendung je nach Körperbereich:

  • Gesicht: Creme oder Emulsion mit 2 bis 5 % Harnstoff, morgens und abends auf die gereinigte Haut auftragen.
  • Körper und trockene Hände: 5 bis 10 % Harnstoff als Teil der täglichen Hautpflege.
  • Füße, Fersen, Ellbogen, Knie: 10 bis 30 % Harnstoff, Anwendung abends, gegebenenfalls unter Okklusion (Baumwollsocken nach dem Auftragen auf die Füße).

Führen Sie vor der ersten Anwendung einer hohen Konzentration immer einen Verträglichkeitstest an einer kleinen Stelle durch. Nicht auf offene Wunden, gereizte Haut oder bei akutem Ekzem anwenden.

Ist Harnstoff für trockene und atopische Haut geeignet?

Ja, Harnstoff gehört zu den in der Dermokosmetik am häufigsten verwendeten Wirkstoffen für atopische Haut und Hauttrockenheit. Er:

  • stärkt die Hautbarriere und begrenzt den unsichtbaren Wasserverlust.
  • Sorgt für langanhaltendes Wohlbefinden bei Haut, die zu Spannungsgefühlen und Juckreiz neigt.
  • Lässt sich gut in die Pflege mit Emollientien integrieren (die bei atopischer Dermatitis häufig vom Dermatologen verschrieben werden).

Wird häufig mit anderen feuchtigkeitsspendenden und lipidhaltigen Wirkstoffen wie Glycerin, Ceramiden oder Sheabutter kombiniert, um eine ergänzende Wirkung zu erzielen.

Vorsichtsmaßnahmen: Bei atopischer Haut mit akutem Entzündungsschub kann Harnstoff in hoher Konzentration ein Kribbeln verursachen. Verwenden Sie in diesem Fall vorzugsweise niedrige Konzentrationen (2 bis 5 %) oder warten Sie das Ende des Schubs ab, bevor Sie höher konzentrierte Pflegeprodukte anwenden.

Kann Harnstoff zum Peeling der Haut verwendet werden?

Ja, ab einer Konzentration von etwa 10 % entfaltet Harnstoff eine progressive keratolytische Wirkung:

  • Er entfernt die an der Oberfläche angesammelten Hornzellen.
  • Er glättet das Hautbild und mildert Unebenheiten.
  • Reduziert das Erscheinungsbild der Keratose pilaris („Hühnerhaut“ an Armen, Oberschenkeln und Gesäß).

Er stellt eine sanftere Alternative zu AHA und BHA für empfindliche Haut dar, die ein schrittweises chemisches Peeling wünscht. Im Gegensatz zu Fruchtsäuren macht Harnstoff die Haut nicht nennenswert lichtempfindlich, auch wenn Sonnenschutz im täglichen Pflegebereich für Gesicht und exponierte Hautpartien weiterhin empfohlen wird.

Wird Harnstoff für die Füße und Hornhaut empfohlen?

Ja, Harnstoff ist der Wirkstoff der Wahl bei trockenen Füßen, Hornhaut, Schwielen und rissigen Fersen. Die empfohlenen Konzentrationen:

  • 10 bis 15 % für die tägliche Pflege trockener Füße.
  • 20 bis 30 % bei ausgeprägten Hornhautstellen, Schwielen und stark verdickten Fersen.

Anwendungstipp: Tragen Sie abends eine Creme oder einen Balsam mit hohem Harnstoffgehalt auf, massieren Sie ihn ein, bis er vollständig eingezogen ist, und ziehen Sie Baumwollsocken an, um die Aufnahme über Nacht zu fördern. Bei tiefen oder schmerzhaften Rissen sollten Sie einen Fußpfleger oder Ihren Arzt um Rat fragen, insbesondere bei Diabetes (der Fuß eines Diabetikers erfordert eine spezielle medizinische Überwachung).

Was ist der Unterschied zwischen natürlichem und synthetischem Harnstoff?

Natürlicher Harnstoff wird vom Körper produziert und kommt im NMF der Haut sowie im Schweiß vor. Der in der Kosmetik verwendete Harnstoff ist synthetisch: Er wird im Labor aus Ammoniak und Kohlendioxid hergestellt, wodurch ein reines, stabiles und rückverfolgbares Molekül entsteht. Chemisch gesehen ist synthetischer Harnstoff identisch mit natürlichem Harnstoff: Es gibt keinen Unterschied hinsichtlich Verträglichkeit oder Wirksamkeit.

Kosmetischer Harnstoff ist biologisch abbaubar und im Allgemeinen gut verträglich, kann jedoch in hoher Konzentration oder auf verletzter Haut vorübergehendes Kribbeln verursachen. Befolgen Sie stets die Anwendungshinweise des Produkts.

In welchen Darreichungsformen sind Harnstoff-Pflegeprodukte erhältlich?

Harnstoff ist in einer breiten Palette von Darreichungsformen erhältlich:

  • Gesichtscremes und -emulsionen in geringer Dosierung (2 bis 5 %).
  • Körpermilch, -cremes und -balsame in mäßiger Dosierung (5 bis 10 %).
  • Hand- und Fußcremes mit 10 bis 30 %.
  • Lotionen und gezielte Pflegeprodukte gegen Keratose pilaris (durchschnittlich 10 %).
  • Dermatologische Cremes mit hoher Konzentration (bis zu 40 %), die auf fachärztliche Empfehlung für bestimmte Indikationen verschrieben werden.

Bevorzugen Sie Formulierungen ohne reizende Duftstoffe und ohne denaturierten Alkohol an erster Stelle der INCI-Liste, insbesondere bei empfindlicher oder atopischer Haut. Das Vorhandensein ergänzender Wirkstoffe (Ceramide, Glycerin, Panthenol, Allantoin) verstärkt die regenerierende und feuchtigkeitsspendende Wirkung.

Gibt es Kontraindikationen für Harnstoff?

Harnstoff wird im Allgemeinen gut vertragen, doch sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

  • Offene Wunden, gereizte Haut oder akutes Ekzem: Vermeiden, insbesondere bei hohen Konzentrationen (mögliches Brennen).
  • Gesicht: Bevorzugen Sie niedrige Konzentrationen (2 bis 5 %), da hohe Konzentrationen für die empfindliche Gesichtshaut zu stark keratolytisch wirken.
  • Augenpartie und Schleimhäute: zu vermeiden.
  • Diabetikerfuß: Hornhaut nicht selbst behandeln, sondern ärztlichen und podologischen Rat einholen.
  • Leichte Schuppenbildung oder Kribbeln zu Beginn der Anwendung bei hoher Konzentration möglich: Zeichen einer normalen keratolytischen Wirkung, Dosierung je nach Verträglichkeit anpassen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Harnstoff gilt allgemein als risikoarm, bei längerer Anwendung in hohen Konzentrationen sollte jedoch ärztlicher Rat eingeholt werden.
  • Verwenden Sie immer zusätzlicheine Feuchtigkeitspflege, um reaktionsbedingte Trockenheit zu begrenzen.

Bei ungewöhnlichen Reaktionen oder einer fortschreitenden Hauterkrankung wird weiterhin eine dermatologische Konsultation empfohlen, um die weitere Behandlung festzulegen.