Wie lassen sich empfindliche Zähne mit den richtigen Produkten stärken?
Die Stärkung empfindlicher Zähne beruht auf zwei sich ergänzenden Maßnahmen: dem Verschließen der freiliegenden Dentintubuli (um das Schmerzsignal zu blockieren) und der Remineralisierung des geschwächten Zahnschmelzes (um dessen Widerstandsfähigkeit wiederherzustellen). Mit den in der Apotheke erhältlichen Produkten können Sie täglich auf diese beiden Mechanismen einwirken, ohne auf einen Arzttermin warten zu müssen. Spezielle Zahnpasten für empfindliche Zähne aus der Apotheke sowie Produktezur Mundhygiene sind im Shop erhältlich. Um zu verstehen, warum Zähne empfindlich werden, werden die Mechanismen auf der Seite „Zahnempfindlichkeit“ ausführlich erläutert.
Desensibilisierende Zahnpasten sind der Eckpfeiler der Behandlung zu Hause. Je nach Wirkmechanismus lassen sie sich in zwei verschiedene Gruppen einteilen. Kaliumnitrat (5 %) wirkt auf den Nerv selbst: Es depolarisiert die Nervfasern im Dentin und verringert deren Reaktionsfähigkeit auf Reize – ein schrittweises, aber dauerhaftes Ergebnis bei kontinuierlicher Anwendung über 2 bis 4 Wochen. Strontiumchlorid und 8 % Arginin mit Kalziumkarbonat wirken anders: Sie lagern sich in den Dentintubuli ab und verschließen diese mechanisch, wodurch der Flüssigkeitsstrom, der die Schmerzen verursacht, reduziert wird.
- Wichtiger Anwendungshinweis: Nach dem üblichen Zähneputzen eine haselnussgroße Menge des desensibilisierenden Zahnpastas mit dem Finger direkt auf die empfindlichen Stellen auftragen und ohne Abspülen einwirken lassen – diese gezielte Anwendung maximiert das Eindringen in die Dentintubuli
- Fluoridhaltige Mundspülung am Abend: 225–500 ppm Fluorid – anschließend nicht mit Wasser ausspülen – der Fluoridfilm legt sich auf den Zahnschmelz und stärkt über Nacht dessen Säurebeständigkeit – 30 Minuten lang weder essen noch trinken
- Die richtige Zahnbürste wählen: unbedingt ultraweiche Borsten verwenden — zu kräftiges Putzen mit harten Borsten höhlt den Zahnhals aus und verstärkt die Freilegung des Dentins — die Zahnbürste alle 3 Monate austauschen (ausgefranste Borsten = unwirksame und zu aggressive Zahnbürste)
Welche Rolle spielt Fluorid bei der Stärkung des Zahnschmelzes?
Fluorid ist der wichtigste remineralisierende Wirkstoff für den Zahnschmelz, der zur Selbstmedikation erhältlich ist. Es wirkt, indem es die Hydroxylionen des Hydroxylapatits ersetzt und so Fluorapatit bildet – eine kristalline Struktur, die widerstandsfähiger gegen Säureangriffe ist (löst sich bei einem pH-Wert von 4,5 statt bei 5,5 wie bei normalem Zahnschmelz auf). Diese Umwandlung stärkt den vorhandenen Zahnschmelz und beschleunigt die Rekristallisation von Bereichen, die durch Säuren oder Bakterien entmineralisiert wurden.
Die Konzentration der Zahnpasta bestimmt ihre Wirksamkeit: 1.450 ppm ist der europäische Standard für Erwachsene – „Zahnaufhellungs“- oder „Natur“-Zahnpasten enthalten oft weniger als 1.000 ppm und sind bei empfindlichen Zähnen weniger wirksam. In schweren Fällen kann der Zahnarzt Zahnpasten mit 2.800–5.000 ppm verschreiben oder professionelle Fluoridlacke mit 22.600 ppm auftragen, deren Wirkung mehrere Wochen anhält.
- Geeignete Putztechnik für empfindliche Zähne: modifizierte Bass-Technik – Zahnbürste in einem Winkel von 45° zum Zahnfleischsaum – kleine vibrierende Bewegungen ohne horizontales Hin- und Herbewegen — mindestens 2 Minuten — mit den empfindlichen Stellen beginnen, um sie nicht zu übersehen — oszillierend-rotierende Elektrozahnbürsten üben einen kontrollierten Druck aus und werden oft besser vertragen
- Nach säurehaltigen Mahlzeiten warten: Ein Glas Orangensaft oder Limonade macht den Zahnschmelz vorübergehend weich – sofortiges Zähneputzen verschlimmert die Erosion – 30 Minuten warten ermöglicht es dem Speichel, den Zahnschmelz zu remineralisieren, und dem pH-Wert, sich vor dem Zähneputzen wieder zu normalisieren
- Xylitol als Ergänzung: Zuckerfreie Kaugummis mit Xylitol regen den Speichelfluss an (der wichtigste natürliche Remineralisator) und hemmen kariogene Bakterien – wenn möglich 20 Minuten nach jeder Mahlzeit kauen
Wie beeinflusst das Zahnfleisch die Empfindlichkeit und wie kann man es schützen?
Das Zahnfleisch ist die erste Schutzbarriere für die Zahnwurzeln. Wenn es sich zurückbildet, legt es den Zahnhals frei – dort, wo kein Zahnschmelz vorhanden ist und wo der Zahnzement (der viel dünner und poröser ist) das Dentin nur unzureichend schützt. Dieser Zahnfleischrückgang verläuft oft unbemerkt und schleichend: Der Patient bemerkt ihn erst, wenn Empfindlichkeit auftritt. Zu kräftiges Zähneputzen ist die Hauptursache für Zahnfleischrückgang bei jungen Erwachsenen – es handelt sich um eine irreversible Schädigung, die durch die richtige Putztechnik zwar verhindert, aber nicht behoben werden kann.
- Das Zahnfleisch im Auge behalten: Vergleichen Sie beim Zähneputzen die Höhe des Zahnfleisches an jedem Zahn – jede Asymmetrie oder das allmähliche Freiliegen einer Zahnwurzel ist ein Grund für einen Besuch beim Zahnarzt oder Parodontologen – siehe Seite „Parodontitis“ zur Behandlung
- Produkte zum Schutz des Zahnfleisches: Zahnfleischgele mit Aloe Vera (lindern Entzündungen im Bereich des Zahnhalses), Fluoridgele zum Auftragen auf den Zahnhals empfindlicher Zähne, alkoholfreie Mundspülungen (Alkohol reizt und trocknet das Zahnfleisch aus) – erhältlich im Sortiment für Mundhygiene
- Zahnschmelzschonende Ernährung: Hartkäse (alkalisiert den pH-Wert im Mund nach dem Essen und liefert Kalzium) — kalziumhaltiges Mineralwasser — säurehaltige Getränke zwischen den Mahlzeiten einschränken — säurehaltige Getränke mit einem Strohhalm trinken, um den Kontakt mit den Gaumenflächen der Frontzähne zu begrenzen — siehe auch Kariesprophylaxe und Zähneputzen