Was ist Ruhr und warum handelt es sich dabei um einen medizinischen Notfall?
Ruhr ist eine schwere Darminfektion, die durch blutig-schleimigen Durchfall gekennzeichnet ist – jeder Durchfall mit Blut und Schleim ist bis zum Beweis des Gegenteils als medizinischer Notfall anzusehen. Sie unterscheidet sich grundlegend von gewöhnlichem Durchfall und einer viralen Gastroenteritis durch das Vorhandensein von Blut und die Notwendigkeit einer spezifischen medizinischen Behandlung.
- Bazilläre Ruhr (Shigellose): verursacht durch Shigella – ein hochansteckendes Bakterium (bereits weniger als 10 Bakterien reichen für eine Infektion aus) – Inkubationszeit 1–4 Tage – blutiger Durchfall + Fieber + Krämpfe – Übertragung von Mensch zu Mensch und fäkal-oral – spezifische Antibiotikabehandlung erforderlich
- Amöbenruhr (intestinale Amöbiasis): verursacht durch Entamoeba histolytica – einen Parasiten – häufig in tropischen und subtropischen Ländern – längere Inkubationszeit (1–3 Wochen) – schleimiger Durchfall mit rotem Blut – Behandlung mit Antiparasitika (Metronidazol)
- Unterschied zur einfachen Diarrhoe: Blut + Schleim im Stuhl + Fieber + Tenesmus (schmerzhafter, dringender Stuhldrang) — ohne Behandlung besteht das Risiko einer Sepsis und einer Kolonperforation
- In Frankreich: von Reisenden eingeschleppte Fälle (tropische Länder, Afrika, Südasien) – selten bei Nicht-Reisenden – Meldepflicht für Shigellose
- Bei blutigem Durchfall niemals Loperamid (durchfallhemmendes Mittel) einnehmen — Risiko einer Toxinstauung und einer Verschlimmerung
Symptome, Diagnose und Vorgehensweise
- Charakteristische Symptome: schleimig-blutiger Durchfall (Stuhl mit Schleim und rotem Blut) – Fieber > 38,5 °C – starke Bauchkrämpfe – Tenesmus (ständiger, schmerzhafter Stuhldrang) – Übelkeit, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit
- Diagnose: Stuhlkultur (bakteriologische Untersuchung des Stuhls) zur Identifizierung des Bakteriums oder Parasiten – parasitologische Stuhluntersuchung (EPS) auf E. histolytica – großes Blutbild (Leukozytose) und erhöhter CRP-Wert
- Dringende ärztliche Konsultation bei Auftreten von blutigem Stuhl — die 15 anrufen bei: schwerer Dehydrierung, Bewusstseinsstörungen, Fieber > 39 °C, Kinder < 2 Jahre, immunsupprimierte Patienten, Schwangere
- Meldepflicht in Frankreich: Die Shigellose ist eine meldepflichtige Krankheit (MDO) – Meldung an die ARS zur epidemiologischen Überwachung
- Schulausschluss für Kinder mit Shigellose bis zur bestätigten bakteriologischen Genesung
Medizinische Behandlung und Rehydrierung
- Vorrangig orale Rehydrierung: orale Rehydrationslösungen (ORS) – Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts – bei starkem Erbrechen oder schwerer Dehydrierung: Krankenhausaufenthalt und intravenöse Rehydrierung – siehe unser Sortiment für Magen und Verdauung
- Shigellose: gezielte Antibiotika (Azithromycin, Fluorchinolone) – Antibiogramm vor der Behandlung unerlässlich (zunehmende Resistenzen) – Behandlungsdauer 3–5 Tage je nach Antibiogramm
- Intestinale Amöbiasis: Metronidazol (Flagyl®) 5–10 Tage – gefolgt von einer luminalen Therapie (Tiliquinol-Tilbroquinol oder Paromomycin) zur Beseitigung verbleibender Zysten – ohne vollständige Behandlung besteht das Risiko einer hepatischen Amöbiasis (Leberabszess)
- Keine Selbstmedikation – bei blutigem Durchfall niemals Loperamid oder krampflösende Mittel ohne ärztlichen Rat einnehmen
- Nachsorge nach der Behandlung: Kontroll-Stuhlkultur nach 3–4 Wochen zur Bestätigung der Ausrottung (insbesondere bei Amöbiasis)
Prävention auf Reisen und bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen
- Reisende: Wasser aus Flaschen oder abgekochtes Wasser in Risikoländern – gut durchgegarte Speisen – Rohkost, offene Buffets, Eiswürfel und handgemachtes Eis vermeiden – strenge Handhygiene (Seife, SHA)
- Kinder unter 5 Jahren: die am stärksten gefährdete Bevölkerungsgruppe — weltweit 165 Millionen Fälle von Shigellose pro Jahr, erhebliche Sterblichkeit in Ländern mit niedrigem Einkommen — Überwachung und frühzeitige ärztliche Konsultation unerlässlich
- Kein Impfstoff verfügbar (Forschung gegen Shigella läuft) – Prävention ausschließlich durch Hygiene und Gesundheitsmaßnahmen
- Risikogruppen in Frankreich: immungeschwächte Personen, Säuglinge, ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen – verstärkte Hygiene und Isolierung bestätigter Fälle
- Vor einer Reise in tropische Gebiete einen Arzt konsultieren: Der Reisemediziner oder das internationale Impfzentrum kann die Empfehlungen je nach Reiseziel anpassen — siehe unsere Seite zu Lebensmittelvergiftungen für allgemeine Präventionsmaßnahmen im Bereich Ernährung