Unter dem Begriff „Blepharitis“ werden zwei unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst. Die vordere Blepharitis betrifft den äußeren Teil der Augenlider, an dem die Wimpern ansetzen – sie ist hauptsächlich bakteriell bedingt (Staphylococcus aureus, S. epidermidis) oder geht mit einer seborrhoischen Dermatitis einher, bei der sich Schuppen und Wimpernkrusten bilden. Die hintere Blepharitis (Funktionsstörung der Meibom-Drüsen) betrifft den inneren, mit dem Auge in Kontakt stehenden Teil, äußert sich durch zähflüssige, fettige Sekrete und führt zu chronischem trockenen Augen. Beide Formen können gleichzeitig auftreten. Die okuläre Rosazea ist ein häufig unterschätzter begünstigender Faktor für schwere hintere Blephariten.
In der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt, gilt der Befall mit Demodex-Milben (Demodex folliculorum und D. brevis) heute als eine der Hauptursachen für chronische Blepharitis, die auf herkömmliche Behandlungen nicht anspricht. Diese mikroskopisch kleinen Milben vermehren sich in den Wimpernfollikeln und den Meibom-Drüsen und lösen eine mechanische und immunologische Entzündungsreaktion aus. Jüngsten Studien zufolge stehen 50 bis 80 % der chronischen Blepharitis-Fälle im Zusammenhang mit einer Demodex-Superinfektion. Manuka -Honig (UMF ≥ 10, MGO ≥ 263) weist durch sein Methylglyoxal eine nachgewiesene Anti-Demodex-Wirkung auf, und ophthalmologische Formulierungen mit verdünntem Manuka-Honig (1–2 %) werden in Protokollen zur Anti-Demodex-Reinigung der Augenlider eingesetzt.
Das ätherische Öl des Echten Lavendels (Linalool ≥ 25 %) wirkt antibakteriell gegen S. aureus und S. epidermidis und hemmt die Produktion des entzündungsfördernden PGE2. In einer Konzentration von 0,5–1 % in einer augenlidreinigenden Lösung ohne Nachspülen ergänzt es die mechanische Hygiene mit einem Hautverträglichkeitsprofil, das dem chemischer Antiseptika überlegen ist. Das Kornblumenhydrolat (Centaurea cyanus, rein destilliert, pH 4,5–5) ist mit dem Augenmikrobiom verträglich, und seine Flavonoide wirken abschwellend und sanft adstringierend auf entzündete und schuppige Lidränder.
Die tägliche Augenlidhygiene ist die Grundlage der Behandlung einer chronischen Blepharitis und sollte auch in Remissionsphasen beibehalten werden. Die optimale Vorgehensweise: eine feuchte, warme Kompresse (42–45 °C, 5–10 Minuten), um die Sekrete aufzuweichen, eine sanfte Massage der freien Lidränder, um die Meibom-Drüsen zu entleeren, und anschließend eine Reinigung mit einem augenverträglichen Produkt. Bei empfindlichen Augenlidern sind sterile, konservierungsmittelfreie Augenlidtücher vorzuziehen. Bei gleichzeitigem Auftreten von trockenen Augen lindern künstliche Tränen in Einzeldosisverpackungen die Beschwerden und verbessern das allgemeine Wohlbefinden.
Eine Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren DHA/EPA (1 bis 3 g/Tag) verbessert die Lipidzusammensetzung der Meibom-Sekrete – ein flüssigeres Augenlidtalg verringert die Stagnation und den Verschluss der Drüsen. Eine klinische Studie (Oleñik et al., 2014) zeigt nach 3 Monaten eine signifikante Verringerung der Symptome einer posterioren Blepharitis. Das gesunde Augenlidmikrobiom – dominiert von dem Kommensalen S. epidermidis und Corynebacterium – schützt vor Krankheitserregern. Sein Gleichgewicht wird durch aggressive Antiseptika, nicht entferntes Make-up und Konservierungsstoffe in künstlichen Tränen gestört. Eine sanfte Reinigung, die dieses Mikrobiom schont, ist daher einer zu aggressiven Hygiene vorzuziehen.