Was ist das Reizdarmsyndrom und welche Begleiterkrankungen treten dabei auf?
Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine chronische funktionelle Darmerkrankung – ohne erkennbare organische Schädigung –, von der 10–15 % der Erwachsenen betroffen sind. Es geht häufig mit extragastrointestinalen Begleiterkrankungen einher, die das Krankheitsbild verschlimmern und die ganzheitliche Behandlung bestimmen. Das vollständige Diagnoseprotokoll und die Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Seite zum Reizdarmsyndrom. Entdecken Sie unsere gezielten Nahrungsergänzungsmittel in der Produktreihe zum Reizdarmsyndrom.
- Fibromyalgie: tritt in 30–65 % der Fälle gemeinsam mit dem RDS auf – diffuse chronische Schmerzen + Müdigkeit + Schlafstörungen – gleicher Mechanismus der zentralen Überempfindlichkeit (zentrale Sensibilisierung) – ähnliche Behandlung (Kognitive Verhaltenstherapie, progressive Bewegungstherapie)
- Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS): behindernde Erschöpfung, die durch Ruhe nicht gelindert wird + Reizdarmsyndrom in 50–80 % der Fälle — pathophysiologischer Zusammenhang über die Hirn-Darm-Achse und Neuroinflammation
- Angst- und depressive Störungen: 50 % der schweren Fälle von Reizdarmsyndrom — generalisierte Angststörung, Panikstörung, Depression — die Gehirn-Darm-Achse ist bidirektional — die Behandlung der Angstzustände führt zu einer direkten Besserung des Reizdarmsyndroms
- RDS und CED (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa): Das RDS kann bei einer CED in Remission gleichzeitig auftreten – funktionelle Symptome bestehen auch dann fort, wenn die Entzündung unter Kontrolle ist – Unterscheidung mittels Stuhl-Calprotectin und Entzündungsstatus
- Genetische Komponente: Das Risiko ist um das 2–3-Fache erhöht, wenn ein Verwandter ersten Grades betroffen ist – beteiligte Gene: Serotonintransport, Darmmotilität, Schleimhautpermeabilität – Umwelt und Lebensweise spielen weiterhin eine entscheidende Rolle
Symptome, Diagnose und klinische Formen
- Begleitende Magenbeschwerden: Übelkeit, Dyspepsie, Reflux (Overlap-Syndrom) – 30–40 % der IBS-Fälle weisen zusätzlich eine funktionelle Dyspepsie auf – oft kombinierte Behandlungen
- Postinfektiöse Reizdarmsyndrom: Ausbruch nach einer akuten Gastroenteritis (Salmonellen, Campylobacter, Noroviren) – dauerhafte Veränderung der Darmmikrobiota + Darmpermeabilität – siehe unsere Seite zu Darmerkrankungen
- Rome-IV-Kriterien (Diagnose): wiederkehrende Bauchschmerzen ≥ 1 Tag/Woche seit > 3 Monaten im Zusammenhang mit dem Stuhlgang oder einer Veränderung der Darmtätigkeit — Ausschlussdiagnose (Blutbild + CRP + fäkales Calprotectin + Anti-Transglutaminase)
- Koloskopie bei: > 50 Jahren, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, Fieber, nächtlichen Schmerzen — vor der Bestätigung eines Reizdarmsyndroms (RDS) müssen immer kolorektaler Krebs und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) ausgeschlossen werden
- Schleim im Stuhl: häufig bei Reizdarmsyndrom (Schleim ohne Blut = funktionell) — Blut im Stuhl = immer organisch bedingt → diagnostischer Notfall
Multifaktorielle Behandlungen und ganzheitlicher Ansatz
- FODMAP-Diät: Ernährungsmaßnahme erster Wahl — 75 % Ansprechrate — unter ernährungswissenschaftlicher Aufsicht — 3 Phasen (Elimination, Wiedereinführung, individuelle Anpassung) — individuelle Auslöser identifizieren
- Gezielte Probiotika: Bifidobacterium infantis 35624 (Schmerzen + Blähungen + Darmtätigkeit) — Lactobacillus plantarum (Blähungen + Flatulenz) — siehe unsere Seite zu Probiotika
- Krampflösende Mittel: Phloroglucinol (Spasfon, Anfälle) – Mebeverin (bei Reizdarmsyndrom) – magensaftresistente Pfefferminze (Dickdarm) – siehe unsere Seite zu Verdauungskrämpfen
- Niedrig dosierte Antidepressiva (Amitriptylin, SSRI): wirken auf die viszerale Überempfindlichkeit und angst-depressive Komorbiditäten — 4–6 Wochen bis zum Eintreten der Wirkung — auf ärztliche Verschreibung
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) + gutgerichtete Hypnotherapie + Herzkohärenz: Behandlung psychologischer Begleiterkrankungen + direkte Linderung der IBS-Symptome — hohe Evidenzstufe
Lebensstil, Vererbung und Rückfallprävention
- Regelmäßige körperliche Aktivität: 30 Min. × 5/Woche – verbessert die Motorik + die Darmflora + die viszerale Überempfindlichkeit – angepasstes Yoga (sanfte Körperhaltungen, intensive Übungen vermeiden, die das RKS-D verschlimmern)
- Flüssigkeitszufuhr und Essensrhythmus: 1,5–2 l stilles Wasser pro Tag — 3 Mahlzeiten zu festen Zeiten — keine Mahlzeiten auslassen — leichter Snack bei Hunger zwischen den Mahlzeiten — in Ruhe innerhalb von 20–30 Minuten essen
- Rückfallprävention: Beibehaltung der Ernährungsgewohnheiten (individuell angepasste FODMAPs) + tägliche Herzkohärenz + körperliche Aktivität + regelmäßiger Schlaf von 7–9 Stunden
- Genetische Beratung: Kinder von Eltern mit Reizdarmsyndrom über ein erhöhtes Risiko aufklären – frühzeitige Überwachung der Symptome – frühzeitige Maßnahmen zur Lebensstiländerung (Stress, Ernährung)
- Medizinische Nachsorge: Jährliche gastroenterologische Untersuchung – Erneuerung der Abklärung bei sich verändernden Symptomen – Niemals eine Selbstdiagnose des Reizdarmsyndroms stellen, ohne organische Ursachen auszuschließen – siehe unsere Seite zum Reizdarmsyndrom