Rasiercreme ist eine luftige Emulsion, deren Struktur aus Mikrobläschen mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt:
Als Standard-Feuchthaltemittel in Rasierformeln sorgt pflanzliches Glycerin dank seiner hygroskopischen Eigenschaft dafür, dass die Feuchtigkeit während der gesamten Rasur an der Oberfläche der Haare und der Haut erhalten bleibt. In einer Konzentration von 5 bis 15 % reduziert es den unsichtbaren Wasserverlust (TEWL) der durch die Klinge exponierten Haut und beugt so einem Spannungsgefühl vor. Seine Biokompatibilität ist besser als die von Propylenglykol (das in hohen Dosen reizend wirkt) – es wird von allen Hautfloraarten gut vertragen. Vorsicht: Bei einem Anteil von über 30 % kann es den gegenteiligen Effekt haben und durch Osmose zu Austrocknung führen.
Die Zugabevon Salicylsäure (BHA, 0,5 bis 2 %) zum Rasierschaum ist ein dokumentierter vorbeugender Ansatz gegen eingewachsene Haare. Da sie fettlöslich ist, kann sie in die Haarfollikel eindringen und das verstopfende Keratin auflösen – ein direkter Präventionsmechanismus. Sie hemmt COX-1 und COX-2 (lokale entzündungshemmende Wirkung) und reduziert die Besiedlung durch C. acnes in offenen Haarfollikeln. Bei offenen Schnittwunden oder bei sehr empfindlicher Haut sollte es bei der ersten Anwendung vermieden werden.
Als Quelle für Azulen (Chamazulen) – ein bei der Destillation entstehendes blaues Pigment – ist die Kamille (Matricaria chamomilla) der maßgebliche Wirkstoff gegen Reizungen bei überempfindlicher Haut nach der Rasur. Ihr Azulen hemmt die Freisetzung von Histamin und Leukotrien B4 (Mediatoren akuter Entzündungen) und entfaltet eine sofortige antiallergische Wirkung. Ihr Alpha-Bisabolol hemmt NF-kB und fördert die Heilung von Mikroläsionen. Klinische Studien bestätigen die entzündungshemmende Wirkung des standardisierten Extrakts bei anhaltenden Rötungen nach der Rasur.
Zwei sich ergänzende Wirkstoffe zur Verbesserung der Verträglichkeit von Rasierformeln:
Glykolsäure (eine AHA mit kleinerer Molekülgröße, 1 bis 3 % in Rasierformeln) bietet einen nachgewiesenen Vorteil vor der Rasur. Sie erleichtert das Hervortreten leicht eingewachsener Haare vor der Rasur und glättet keratotische Unebenheiten, die die Klinge ablenken. Bei regelmäßiger Anwendung verdickt sie die Dermis und verbessert die mechanische Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber wiederholten Reizungen durch chronische Rasur. Vorsichtsmaßnahmen: photosensibilisierend – morgens einen Sonnenschutz (SPF) auftragen. Nicht empfohlen bei gereizter Haut oder offenen Schnittwunden.