Was ist das Raynaud-Syndrom und wer ist davon betroffen?
Das Raynaud-Syndrom ist die primäre Form des Raynaud-Phänomens – eine funktionelle periphere vasospastische Störung ohne begleitende systemische Erkrankung. Als Reaktion auf Kälte oder Stress kommt es zu Episoden einer übermäßigen arteriolären Vasokonstriktion, die vor allem die Finger und Zehen betrifft. Es handelt sich um die häufigste und harmloseste Form – in den allermeisten Fällen ohne trophische Läsionen oder schwerwiegende Komplikationen. Produkte zur Förderung der Durchblutung sind im Shop erhältlich.
- Epidemiologie: 3 bis 5 % der Weltbevölkerung – deutliche Prävalenz bei Frauen (Verhältnis 9:1) – Beginn zwischen 15 und 25 Jahren – häufiger in Regionen mit kaltem Klima – häufige familiäre Vorbelastung (genetische Veranlagung)
- Typischer Farbverlauf: weiße Phase (Blässe durch Ischämie – Vasokonstriktion) → blaue Phase (Zyanose – venöse Stauung) → rote Phase (reaktive Hyperämie – Erwärmung) – Kribbeln, Taubheitsgefühle und Schmerzen bei der Reperfusion
- Raynaud-Syndrom vs. sekundäres Raynaud-Phänomen: Das (primäre) Raynaud-Syndrom ist funktioneller Natur, beidseitig, symmetrisch, ohne Nekrose oder Ulzerationen – das sekundäre Raynaud-Phänomen steht im Zusammenhang mit einer systemischen Erkrankung (Sklerodermie – Lupus – rheumatoide Arthritis) – Anzeichen, die auf eine sekundäre Ursache hindeuten: Beginn nach dem 30. Lebensjahr bei einem Mann, Asymmetrie, Ulzerationen an den Fingern, Auffälligkeiten in der Kapillaroskopie, positiver Autoimmunstatus — bei atypischen Anzeichen ist eine Überweisung an einen Rheumatologen unerlässlich
Wie geht man im Alltag mit Raynaud-Episoden um?
- Wärmeschutz hat oberste Priorität: beheizte oder gefütterte Handschuhe bei allen Tätigkeiten im Kaltbereich (Kühlschrank, Tiefkühlregal, kalte Getränke) – mehrere Kleidungsschichten übereinander tragen – Thermosocken aus Wolle oder Funktionsmaterial – vor jedem Aufenthalt in der Kälte vorrangig die Extremitäten aufwärmen – plötzliche Temperaturwechsel vermeiden (Betreten eines stark klimatisierten Gebäudes)
- Aufwärmtechniken bei Schüben: kreisende Armbewegungen (Zentrifugation), um das Blut in die Extremitäten zu leiten – Eintauchen von Händen und Füßen in lauwarmes Wasser (nicht heiß – Verbrennungsgefahr bei unempfindlicher Haut) – sanftes Reiben der Finger
- Raucherentwöhnung (Tabac Info Service: 3989): Nikotin ist ein starker Gefäßverenger – ein wesentlicher verschlimmernder Faktor bei der Raynaud-Krankheit – schnelle Besserung nach dem Aufhören
- Stressbewältigung: Emotionaler Stress löst Anfälle durch Aktivierung des Sympathikus aus – Herzkohärenz (5 Zyklen/Min.) – Meditation, Yoga – Techniken des thermischen Biofeedbacks (lernen, die Hauttemperatur der Finger zu kontrollieren)
Welche Ernährung und welche Nahrungsergänzungsmittel bei Raynaud-Syndrom?
- Omega-3-Fettsäuren EPA-DHA: verbessern die Verformbarkeit der roten Blutkörperchen und die Fließfähigkeit des Blutes – reduzieren die vasospastische Hyperreaktivität der peripheren Arteriolen – fetter Fisch (Lachs, Sardinen, Makrele) 2- bis 3-mal pro Woche – Leinsamen und Chiasamen – Nahrungsergänzung mit 2 bis 3 g/Tag
- Ginkgo biloba (EGb 761): verbessert die periphere Mikrozirkulation — hemmt die Thrombozytenaggregation und die Adhäsion an Gefäßwänden — mehrere positive klinische Studien bei primärem Raynaud-Syndrom — 120 bis 160 mg/Tag standardisierter Extrakt — Kontraindikation bei Behandlung mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern
- Magnesium: natürlicher Kalziumantagonist — reduziert die Übererregbarkeit der glatten Gefäßmuskelzellen — unterstützt den Stressabbau (Mitauslöser von Anfällen) — 300 bis 400 mg/Tag Bisglycinat
- Übermäßigen Koffein- und Alkoholkonsum vermeiden: Koffein wirkt gefäßverengend — Alkohol erweitert zwar kurzfristig die Gefäße, verschlimmert jedoch die Kälteempfindlichkeit durch eine kompensatorische Hautgefäßerweiterung
- Medikamentöse Behandlung (Kalziumkanalblocker, Vasodilatatoren) nur bei stark beeinträchtigenden Formen – auf ärztliche Verschreibung – eine vasodilatierende Therapie niemals ohne ärztlichen Rat ändern