Was ist eine funktionelle Darmstörung und wie erkennt man sie?
Funktionsstörung des Dickdarms ist der medizinische Begriff für das Reizdarmsyndrom (RDS) – eine chronische Verdauungsstörung ohne erkennbare organische Schädigung des Dickdarms. Sie unterscheidet sich von organischen Darmerkrankungen (CED: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) durch das Fehlen einer Entzündung und sichtbarer Läsionen. Das vollständige Diagnoseprotokoll (Rom IV) und die Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Seite zum Reizdarm. Entdecken Sie unsere Wirkstoffe in den Nahrungsergänzungsmitteln gegen Reizdarm.
- Funktionelle vs. organische Darmerkrankung: funktionell = keine Läsion, normales Calprotectin im Stuhl (< 50 µg/g), normale Laborwerte — organisch (CED) = Entzündung, erhöhtes Calprotectin (> 150 µg/g), auffällige Koloskopie
- Charakteristische Symptome: chronische Bauchschmerzen (> 3 Monate) – Blähungen – Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung oder Vorherrschen einer bestimmten Stuhlkonsistenz – Schleim im Stuhl (ohne Blut) – Verschlimmerung nach dem Essen oder durch Stress
- Viszerale Überempfindlichkeit: ungewöhnlich verstärkte Wahrnehmung normaler Darmempfindungen – erklärt die starken Schmerzen ohne sichtbare Anomalien – zentraler Mechanismus der funktionellen Kolopathie
- Gestörte Darmmikrobiota (Dysbiose): Ungleichgewicht der Darmflora → übermäßige Gärung → Blähungen + Krämpfe – siehe unsere Seite zur Darmgärung
- Psychosoziale Faktoren: Stress, Angst, traumatische Vorerkrankungen – bidirektionale Gehirn-Darm-Achse – 50 % der schweren Kolopathien gehen mit einer Angst- oder depressiven Störung einher
Differentialdiagnose: organische Darmerkrankungen ausschließen
- Morbus Crohn: transmurale Entzündung — kann den gesamten Verdauungstrakt betreffen — Blut im Stuhl, Fieber, Gewichtsverlust, Fisteln — erhöhte Calprotectinwerte — Koloskopie + Biopsien unerlässlich
- Hämorrhagische Rektokolitis (HRK): Auf den Dickdarm beschränkte Schleimhautentzündung – regelmäßige rektale Blutungen + Tenesmus – erhöhter Calprotectin-Spiegel – Koloskopie erforderlich
- Empfohlene Ausschlussuntersuchungen: Blutbild + CRP + Calprotectin im Stuhl + IgA-Anti-Transglutaminase-Serologie (Zöliakie) – Koloskopie bei Patienten über 50 Jahren oder bei Warnzeichen – TSH (Hypothyreose = sekundäre Darmerkrankung)
- Darmkrebs: Vorsorgeuntersuchung mittels immunologischem Stuhltest alle 2 Jahre im Alter von 50 bis 74 Jahren – Koloskopie bei positivem Befund – jede rektale Blutung bei Erwachsenen muss abgeklärt werden
- Alarmsignale (niemals ohne Abklärung auf eine funktionelle Darmstörung zurückführen): Blut im Stuhl, Gewichtsverlust > 5 %, anhaltendes Fieber, nächtliche Schmerzen, plötzliche Veränderung der Darmtätigkeit ab 50 Jahren
Ernährung und natürliche Heilmittel bei Darmbeschwerden
- Identifizierung auslösender Lebensmittel: Milchprodukte (Laktoseintoleranz), fettreiche Lebensmittel (beschleunigen die Darmperistaltik), kohlensäurehaltige Getränke (Blähungen), Kaffee > 2 Tassen (prokinetisch), Alkohol (Schleimhautreizung) – Ernährungstagebuch über 2–4 Wochen
- FODMAP-arme Diät: Reduzierung fermentierbarer Kohlenhydrate — 75 % Ansprechen bei Reizdarmsyndrom (RDS) — 6–8 Wochen Eliminationsphase + schrittweise Wiedereinführung — Ernährungsberatung unerlässlich
- Kurkuma (Curcumin): entzündungshemmend für die Darmschleimhaut + leicht krampflösend — natürliches Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung — bioverfügbare Form (Piperin) — positive Daten bei leichter funktioneller Darmstörung
- Pfefferminze (magensaftresistente Kapseln): Standardmittel gegen Kolikkrämpfe — siehe unsere Seite zu Verdauungskrämpfen
- Probiotika (Bifidobacterium longum + Lactobacillus acidophilus): stellen das Gleichgewicht der Darmflora wieder her — reduzieren übermäßige Gärung und Dysbiose — Kurdauer 8–12 Wochen — siehe unsere Seite zu Darmbeschwerden
Stressbewältigung, medizinische Behandlung und Lebensqualität
- Medikamentöse krampflösende Mittel: Phloroglucinol (Spasfon) bei schmerzhaften Anfällen – Mebeverin (Duspatalin) zur Basistherapie des Reizdarmsyndroms – siehe unsere Seite „Reizdarm“ für das vollständige Behandlungsprotokoll
- Körper-Geist-Therapien: KVT (kognitive Verhaltenstherapie) – auf den Darm ausgerichtete Hypnotherapie – Achtsamkeitsmeditation – Herzkohärenz – hohe Evidenzstufe bei Reizdarmsyndrom/funktioneller Kolopathie
- Regelmäßige körperliche Bewegung: 30 Min. × 5 Mal pro Woche – verbessert die Darmmotilität + reduziert Stress + diversifiziert die Darmflora – Yoga ist besonders geeignet (Balasana, Drehungen)
- Lebensqualität: Die funktionelle Darmstörung ist nicht schwerwiegend, kann aber sehr einschränkend sein – psychologische Unterstützung + Patientenverbände (APSSII, Groupe SII) – die Bestätigung der Diagnose und der Behandlung verbessert die Therapietreue
- Jährliche ärztliche Nachsorge: gastroenterologische Untersuchung bei Verschlimmerung — Erneuerung der Laboruntersuchungen bei Veränderung der Symptome — im Zweifelsfall nicht zögern, erneut einen Arzt aufzusuchen