Zahnbürsten mit weichen Borsten werden von den meisten Zahnärzten für den täglichen Gebrauch empfohlen. Entgegen der landläufigen Meinung entfernen harte Borsten den Zahnbelag nicht besser – sie scheuern den Zahnschmelz ab und verletzen das Zahnfleisch, was dessen Rückgang beschleunigt. Weiche Borsten (Fasern von 15 bis 20/100 mm) biegen sich unter Druck und dringen besser in die Zahnzwischenräume und den Zahnfleischsaum ein, ohne das Gewebe zu verletzen. Zweimal täglich zwei Minuten langes Zähneputzen mit weichen Borsten entfernt Zahnbelag genauso effektiv wie kräftiges Putzen mit harten Borsten, schützt dabei aber langfristig den Zahnschmelz und das Zahnfleisch.
Die Härte der Borsten wird in Hundertstel Millimetern gemessen und bestimmt die Anwendungsgebiete der jeweiligen Zahnbürste:
Abgesehen von diesen spezifischen Indikationen bietet die ultraweiche Bürste im täglichen Gebrauch keinen zusätzlichen Vorteil gegenüber der extraweichen Bürste.
Menschen mit empfindlichem Zahnfleisch oder Zahnfleischrückgang haben besondere Bedürfnisse. Die Zahnbürsten zur „Zahnfleischpflege“ mit extraweichen Borsten sind mit kleineren Bürstenköpfen und abgerundeten, an den Spitzen polierten Borsten ausgestattet – diese Oberflächenbehandlung der Borstenspitzen reduziert Mikrotraumata der Schleimhaut. Bei fortgeschrittenen Stadien der Parodontitis ermöglichen chirurgische Zahnbürsten (8–15/100) eine schonende Reinigung rund um die Parodontaltaschen, ohne die Entzündung zu verschlimmern. Die Wahl der Bürste muss stets vom Zahnarzt bestätigt werden, der sie an den Schweregrad der Erkrankung anpasst.
Die modifizierte Bass-Technik ist die empfohlene Standardmethode bei weichen Borsten. Der Bürstenkopf wird in einem Winkel von 45° zur Zahnoberfläche gehalten, sodass die Borsten leicht in den Zahnfleischsulkus eindringen. Es werden kleine, kreisende Vibrationsbewegungen jeweils an 2 bis 3 Zähnen gleichzeitig ausgeführt, wobei man anschließend in Richtung Zahnkrone aufsteigt, um den Zahnbelag zu entfernen. Der ausgeübte Druck sollte minimal sein – wenn sich die Borsten flachdrücken, drückt man zu fest auf. Zu einem umfassendenMundhygieneprogramm gehören das Putzen mit einer weichen Zahnbürste, die Zahnzwischenraumreinigung (Zahnseide, Interdentalbürsten) und eine geeignete Mundspülung.
Eine Zahnbürste sollte alle 3 Monate ausgetauscht werden, oder früher, wenn die Borsten verformt sind – ein Zeichen für übermäßigen Druck, der die Reinigungswirkung mindert und das Zahnfleisch verletzen kann. Nach einer Erkrankung im Mund- und Zahnbereich (Aphten, Infektion, Lippenherpes) oder einer HNO-Infektion wird ein sofortiger Austausch empfohlen, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden. Elektrische Zahnbürsten mit weichen, oszillierend-rotierenden Borsten sind eine interessante Alternative: Ihre automatische Bewegung sorgt für einen gleichmäßigen Druck und eine gleichbleibende Putzdauer, wodurch das Risiko von Abrieb verringert wird. Anhaltender Mundgeruch trotz regelmäßigen Zähneputzens kann auf unzureichend entfernten Zahnbelag oder eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisen, die eine ärztliche Untersuchung erfordert.
Die Wahl der Zahnbürste mag trivial erscheinen, doch Fehlentscheidungen haben langfristig reale Auswirkungen auf die Mundgesundheit. Eine über Jahre hinweg verwendete, zu harte Zahnbürste führt zu irreversiblen Abriebschäden am Zahnschmelz und Zahnfleischrückgang. Eine zu weiche Zahnbürste, die falsch angewendet wird, hinterlässt Zahnbelag, der Karies und Zahnstein begünstigt. Der Zahnarzt ist am besten in der Lage, die für Ihre Anatomie und Ihre klinische Situation geeignete Härte, Kopfgröße und Putztechnik zu empfehlen. Personen mit Zahnimplantaten, Brücken oder einer kieferorthopädischen Behandlung benötigen eine individuelle Beratung. Die Stärkungdes Zahnschmelzes durch geeignete fluoridhaltige Zahnpasten und remineralisierende Mundspülungen ergänzt die mechanische Wirkung der weichen Zahnbürste sinnvoll.