Was ist Fluorid und wie wirkt es auf Zähne und Knochen?
Fluor (F⁻, Fluoridion) ist ein Spurenelement, das natürlicherweise in Wasser, Böden und bestimmten Lebensmitteln vorkommt – das einzige, dessen positive Wirkung fast ausschließlich auf Zähne und Knochen beschränkt ist. Es bindet sich in das Hydroxylapatit der Zähne und Knochen ein und bildet so Fluorapatit [Ca₁₀(PO₄)₆F₂], das 10-mal widerstandsfähiger gegen Säureangriffe ist als normales Hydroxylapatit [Ca₁₀(PO₄)₆(OH)₂]. Entdecken Sie unser Sortiment an Mundhygieneprodukten und unsere fluoridhaltigen Zahnpasten Elgydium und Fluocaril.
- Mechanismus des Zahnschutzes: Fluorid (F⁻) ersetzt die Hydroxylgruppen (OH⁻) im Hydroxylapatit des Zahnschmelzes → Bildung von Fluorapatit → Beständigkeit gegen Auflösung durch bakterielle Säuren (kritischer pH-Wert von Fluorapatit = 4,5 gegenüber 5,5 bei Hydroxylapatit) → weniger Karies
- Remineralisierung: Fluorid fördert die erneute Ausfällung von Mineralien in den durch Säuren teilweise entmineralisierten Zahnschmelzbereichen — dies ist nur vor der Kavitationsbildung möglich → frühzeitige und regelmäßige topische Anwendung
- Antibakterielle Wirkung: Fluorid hemmt das Enzym Enolase von Streptococcus mutans (wichtigstes kariogenes Bakterium) → Verringerung der Milchsäureproduktion durch Zahnbelag → doppelte Wirkung (strukturell + antimikrobiell)
- Knochen und Fluorid: Fluorid wird auch in das knochengebundene Hydroxylapatit eingebaut – seine Rolle für den Knochen ist jedoch gegenüber Kalzium, Phosphor und Vitamin D3 zweitrangig – Fluorid in hohen Dosen schwächt den Knochen paradoxerweise (Knochenfluorose)
- Fluor vs. Fluorid: Fluor ist das chemische Element F₂ (sehr giftiges Gas) – das Fluorid F⁻ ist das in der Zahnmedizin verwendete Ion (Natriumfluorid NaF, Monofluorophosphat MFP) – Zahnpasten und Nahrungsergänzungsmittel enthalten Fluoride, niemals elementares Fluor
Zahn- und Knochenfluorose: Risiken einer Überdosierung
- Zahnfluorose: übermäßige Fluoridbelastung während der Zahnschmelzbildung (0–7 Jahre) → Mineralisierungsstörung → undurchsichtige weiße oder bräunliche Flecken auf den bleibenden Zähnen — Dean-Stadien (sehr leicht → leicht → mäßig → schwer mit Pitting) — Hauptursache: unbeabsichtigte Einnahme von Zahnpasta durch Kleinkinder
- Skelettfluorose (skeletal fluorosis): Anreicherung von > 10–20 mg/Tag Fluor über Jahre hinweg → dichtere, aber brüchigere Knochen + Verkalkungen der Bänder + Osteoarthropathie — beobachtet in Gebieten mit natürlich hohem Fluoridgehalt (Indien, Äthiopien, geothermische Gebiete) – in Frankreich bei normaler Fluoridzufuhr äußerst selten
- Akute Toxizität: versehentliche Einnahme großer Mengen Zahnpasta durch ein Kind — toxische orale Dosis: 5–8 mg F/kg Körpergewicht — Symptome: Übelkeit + Erbrechen + übermäßiger Speichelfluss + Bauchschmerzen — bei erheblicher Einnahme die Giftnotrufzentrale anrufen
- Enges therapeutisches Fenster: zwischen Mangel (Karies) und Überschuss (Fluorose) — optimaler Bereich im Trinkwasser: 0,5–1 mg/l Fluorid — Wasser mit einem natürlichen Gehalt von > 1,5 mg/l → nicht empfohlen (WHO)
- Wasserfluoridierung (Kontroverse): wird in den USA, Kanada, Australien und Großbritannien praktiziert — nachgewiesene Verringerung von Karies + wissenschaftliche Bedenken hinsichtlich langfristiger neurologischer Auswirkungen — wird in Frankreich nicht praktiziert (Fluoridquelle: Zahnpasta wird als ausreichend angesehen)
Fluorid und Zahnpasta: Praktische Empfehlungen
- Säuglinge (0–2 Jahre): fluoridfreie Zahnpasta oder maximal 500 ppm – Menge: Spuren (Reiskorn) – Säuglinge können noch nicht ausspucken → Risiko der Verschluckung und von Fluorose
- Kinder (2–6 Jahre): Zahnpasta mit 500–1.000 ppm – Menge: erbsengroß (0,5 cm) – schrittweises Ausspucken lernen – Zahnpasten mit attraktiven Fruchtaromen vermeiden (Risiko des absichtlichen Verschluckens)
- Kinder > 6 Jahre und Erwachsene: Zahnpasta 1.000–1.500 ppm – Menge: 1–2 cm auf der Zahnbürste – 2 × 2 Min./Tag putzen – nach dem Putzen nicht gründlich ausspülen (würde das Fluorid entfernen)
- Hohes Kariesrisiko (Erwachsene): Zahnpasten mit hoher Konzentration von 5.000 ppm (Duraphat, auf zahnärztliche Verschreibung) — fluoridhaltige Mundspülungen mit 225 ppm (Fluocaril, Mundspülung) – vom Zahnarzt aufgetragene Fluoridlacke (22.500 ppm)
- Empfehlungen der SFP (Französische Gesellschaft für Pädiatrie): Seit 2002 keine systematische Verschreibung von Fluortabletten mehr — fluoridhaltige Nahrungsergänzungsmittel nur, wenn der Trinkwassergehalt < 0,3 mg/l beträgt UND das Kind ein hohes Kariesrisiko aufweist — Stellungnahme des Kinderarztes + des Kinderzahnarztes
Nahrungsquellen, empfohlene Tagesdosis (AJR) und Vorsichtsmaßnahmen
- Natürliche Quellen: schwarzer und grüner Tee (1–2 mg/l Aufguss) — Fischkonserven mit Gräten (Sardinen, Lachs) — Meeresfrüchte — Leitungswasser (0,05–0,5 mg/l in Frankreich, je nach Region) — Mineralwässer: Vichy Célestins (8 mg/l), Badoit (0,4 mg/l)
- Empfohlene Tagesdosis (EFSA) für Fluorid: Säuglinge 0–6 Monate: 0,01 mg/kg/Tag — Kinder von 1–3 Jahren: 0,5 mg/Tag — Kinder von 4–8 Jahren: 1 mg/Tag — Jugendliche und Erwachsene: 3,4 mg/Tag (Männer) / 3,1 mg/Tag (Frauen) — tolerierbare Obergrenze für Erwachsene: 7 mg/Tag
- Durchschnittliche Zufuhr in Frankreich: 1–2 mg/Tag — hauptsächlich über Zahnpasta und Nahrung — eine Nahrungsergänzung in Form von Tabletten ist selten erforderlich, außer bei nachweislich hohem Kariesrisiko
- Kombination aus Kalzium, Phosphor und Fluorid: grundlegende Dreierkombination für die Zahnmineralisierung — Schwangerschaftsvitamine enthalten oft eine Kombination aus Kalzium, Vitamin D3 und Fluorid zur Remineralisierung der Zähne des Fötus und des Säuglings
- Vorsichtsmaßnahmen: Niereninsuffizienz (verminderte Fluoridausscheidung – Risiko einer Anreicherung) – Gebiete mit natürlich fluoridiertem Wasser > 0,5 mg/l → jegliche Fluoridzusätze vermeiden – Schwangere: keine Fluorid-Supplementierung ohne Analyse des Trinkwassers