Was sind Elektrolyte und warum sind sie so wichtig?
Elektrolyte sind elektrisch geladene Mineralionen, die in den Körperflüssigkeiten (Plasma, Interstitialflüssigkeit, intrazelluläre Flüssigkeit) gelöst sind und biologischen Strom leiten können. Sie regulieren den Wasserhaushalt der Zellen, die Nervenübertragung und die Muskelkontraktion. Unser Sport- und Wellness -Sortiment bietet umfassende Elektrolytformeln für Sportler und alle anderen Personengruppen. Informationen zu einzelnen Elektrolyten finden Sie auf unseren Seiten zu Magnesium, Kalzium und Phosphor.
- Wichtigste Kationen: Na⁺ (Natrium, 140 mEq/L extrazellulär – reguliert das extrazelluläre Volumen und den Blutdruck) — K⁺ (Kalium, 140 mEq/L intrazellulär – reguliert das Ruhemembranpotenzial) — Mg²⁺ (Magnesium, Cofaktor für ATP + Muskelentspannung) — Ca²⁺ (Kalzium, Muskelkontraktion + Blutgerinnung + Knochen)
- Wichtigste Anionen: Cl⁻ (Chlorid, passive Nachführung des Natriums, Säure-Basen-Haushalt) — HCO₃⁻ (Bicarbonat, wichtigster pH-Puffer im Blut) — HPO₄²⁻ (Phosphat, ATP-Energie + intrazellulärer Puffer) — anionische Proteine (Albumin — Aufrechterhaltung des onkotischen Drucks)
- Na/K-ATPase-Pumpe: ubiquitär vorkommendes Enzym — transportiert 3 Na⁺ gegen 2 einströmende K⁺ aus der Zelle — hält den elektrochemischen Gradienten aufrecht — verbraucht 30–40 % des zellulären ATP — Grundlage aller Aktionspotenziale (Nerven-, Muskel- und Herzpotenziale)
- Plasmaosmolalität: 280–295 mOsm/kg – wird vom Natrium dominiert – Schwankung → Wasserbewegung zwischen Kompartimenten (Osmose) – Hypernatriämie → intrazelluläre Dehydrierung → Neuronen → Verwirrtheit + Koma
- Elektroneutralität: Die Summe der Kationen = die Summe der Anionen in jedem Kompartiment – das Anionenloch (Na⁺ − [Cl⁻ + HCO₃⁻] = 12 ± 4 mEq/L) ist ein wichtiges diagnostisches Instrument (metabolische Azidose, Vergiftungen)
Elektrolytstörungen: Notfälle und Symptome
- Hyponatriämie (Na⁺ < 135 mEq/L): häufigste Ursache für Elektrolytstörungen im Krankenhaus — Übelkeit + Kopfschmerzen + Verwirrtheit + Krämpfe bei < 125 mEq/L — Ursachen: Potomanie (übermäßige Wasseraufnahme), SIADH, Thiaziddiuretika, Herzinsuffizienz – langsame Korrektur zwingend erforderlich (< 10 mEq/L/24h → Risiko einer centropontinen Myelinolyse)
- Hypokaliämie (K⁺ < 3,5 mEq/L): Krämpfe + Muskelschwäche + verlängertes QT-Intervall → Torsades de pointes — Ursachen: Schleifendiuretika, chronisches Erbrechen, Kortikosteroide
- Hyperkaliämie (K⁺ > 5,5 mEq/L): kardialer Notfall — Bradykardie + Kammerflimmern — Ursachen: chronische Niereninsuffizienz, ACE-Hemmer/ARB², Spironolacton, Rhabdomyolyse — dringendes EKG
- Hyperkalzämie (Ca²⁺ > 2,75 mmol/L): „Bones, Stones, Groans, Psychic Moans“ (Knochen + Nierensteine + Bauchschmerzen + psychiatrische Störungen) — Ursachen: primäre Hyperparathyreoidismus, Knochenmetastasen, Sarkoidose
- Hypomagnesiämie (Mg²⁺ < 0,75 mmol/L): Tetanie + Krämpfe + Arrhythmien + Resistenz gegenüber einer Kaliumkorrektur — häufig unter Diuretika + längerer Einnahme von PPI + Alkoholismus — vor der Korrektur einer refraktären Hypokaliämie korrigieren
Elektrolyte, Sport und Rehydrierung
- Schweißverluste: Schweiß enthält Na⁺ (600–1.500 mg/L) + Cl⁻ + K⁺ (150–300 mg/L) + Mg²⁺ (10–20 mg/L) – 1 Stunde körperliche Anstrengung bei Hitze = 1–3 L Schweiß → 600–3.000 mg Na-Verlust → Krämpfe + Leistungsabfall, wenn nicht ausgeglichen
- Selbstgemachtes Rehydrationsgetränk: 1 l lauwarmes Wasser + 1 Teelöffel Salz (6 g NaCl) + 4 Esslöffel Zucker + 1 Teelöffel Natriumbikarbonat — oder Zitronensaft + Wasser + Honig + eine Prise Salz — entspricht der Zusammensetzung der WHO-Oralrehydrationslösung
- ORL (Orale Rehydratationslösung): Na⁺ 75 mEq/L + Glukose 75 mmol/L + K⁺ 20 mEq/L + Cl⁻ 65 mEq/L + Citrat 10 mEq/L — Natrium-Glukose-Cotransport (SGLT1) = maximale Resorption — unverzichtbar bei Gastroenteritis, Durchfall und Dehydrierung bei Kindern
- Isotonische Sportgetränke (Osmolalität 270–330 mOsm/kg): Na⁺ 400–1.000 mg/l + Kohlenhydrate 6–8 % + K⁺ + Mg²⁺ — werden schneller resorbiert als reines Wasser — ab 1 Stunde kontinuierlicher Belastung oder bei starker Hitze — hypotonisch bei Belastungen < 1 Stunde (weniger Kohlenhydrate)
- Ältere Menschen: vermindertes Durstgefühl + eingeschränkte Nierenfunktion → schnelle Dehydrierung → Verwirrtheit + Stürze + Krankenhausaufenthalt — 1,5 l/Tag trinken, ohne auf Durst zu warten — Überwachung des Ionenprofils bei Einnahme von Diuretika, ACE-Hemmern oder ARB2
Nahrungsergänzung, Ernährung und medizinische Vorsichtsmaßnahmen
- Wichtige elektrolythaltige Lebensmittel: Natrium (Meersalz, Oliven, Käse) – Kalium (Banane, Avocado, Spinat, Süßkartoffel) – Magnesium (Zartbitterschokolade, Kürbiskerne, Hülsenfrüchte, Nüsse) – Kalzium (Milchprodukte, Mandeln, grünes Gemüse, kalziumhaltiges Wasser)
- Nahrungsergänzung in Form von Brausetabletten oder Pulvern: komplette Sportnahrungsformeln — Na + K + Mg + Cl + Kohlenhydrate — in 500 ml Wasser auflösen — je nach Sportart vor, während oder nach der Belastung einnehmen
- Gefährliche Überschüsse: Hypernatriämie (Bluthochdruck + Ödeme + chronische Niereninsuffizienz) – Hyperkaliämie (Arrhythmien, Kontraindikation für K-Präparate bei Behandlung mit ACE-Hemmern/ARB/Spironolacton) – Hyperkalzämie (Nierensteine, Lithiasis) – Bei chronischer Niereninsuffizienz oder kardiologischer Behandlung niemals ohne Ionenprofil ergänzen
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: Schleifendiuretika und Thiazid-Diuretika → Na- + K- + Mg-Mangel → ergänzen oder regelmäßig überwachen — Kortikoide → Hypokaliämie → K + Mg — ACE-Hemmer/ARB → Hyperkaliämie → kein Kalium ergänzen
- Dringende ärztliche Konsultation bei: starken Krämpfen + Herzklopfen + Verwirrtheit + beidseitigen Ödemen + starkem Durst + Oligurie — sofortiges Blut-Ionenprofil — stationäre Aufnahme bei schwerem Ungleichgewicht