Was ist Hyperhidrose und wie lässt sie sich von normalem Schwitzen unterscheiden?
Hyperhidrose ist eine krankhafte Schweißbildung, die weit über den Bedarf zur Thermoregulation hinausgeht – sie tritt ohne Hitzeeinwirkung oder körperliche Anstrengung auf, manchmal auch in Ruhe und während des Schlafs. Arnaud, Doktor der Pharmazie, weist darauf hin, dass die Unterscheidung zu normalem, starkem Schwitzen klinischer Natur ist: Entscheidend für die Diagnose ist die Auswirkung auf das tägliche und soziale Leben, nicht die bloße Schweißmenge.
- Primäre (essentielle) Hyperhidrose: ohne erkennbare Ursache – Beginn oft im Jugendalter – beidseitig und symmetrisch – betroffene Bereiche: Achselhöhlen, Handflächen, Fußsohlen, Gesicht
- Sekundäre Hyperhidrose: Folge einer Grunderkrankung (Schilddrüsenfehlfunktion, Diabetes, Infektion, Lymphom) oder eines Medikaments (SSRI, Antipyretika) – generalisiert, oft nachts auftretend – erfordert eine medizinische Abklärung zur Ermittlung der Ursache
- Isolierte nächtliche Schweißausbrüche bei Frauen in der Perimenopause: bedingt durch Östrogenschwankungen – von der primären Hyperhidrose zu unterscheiden
- Bei übermäßigem Schwitzen in Verbindung mit unerklärlichem Gewichtsverlust, Fieber oder Herzklopfen: unverzüglich einen Arzt aufsuchen, um eine systemische Ursache auszuschließen
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Hyperhidrose je nach Schweregrad?
Die Behandlung der Hyperhidrose erfolgt stufenweise – von in der Drogerie erhältlichen Erstlinienmitteln bis hin zu spezialisierten medizinischen Behandlungen, je nach Intensität und Lokalisation. Die HAS und die Französische Gesellschaft für Dermatologie (SFD) empfehlen einen stufenweisen Ansatz.
- Erste Wahl – hochkonzentrierte Antitranspirantien: 15–20 % Aluminiumchlorhydrat in alkoholischer Lösung – abends auf vollkommen trockene Haut auftragen – wirksam bei 50 bis 80 % der leichten bis mittelschweren Achselhyperhidrose – reizend bei Anwendung auf feuchter oder frisch rasierter Haut — siehe unser Deodorant-Sortiment
- Iontophorese: schwacher elektrischer Strom, der die Aktivität der ekkrinen Schweißdrüsen reduziert — wirksam bei Händen und Füßen — erhältlich als Geräte zur Anwendung zu Hause (teilweise Kostenerstattung möglich)
- Botulinumtoxin (Botox): subkutane Injektion, die die Nervensignale der Schweißdrüsen vorübergehend blockiert — Wirkung hält je nach Person 4 bis 12 Monate an — Standardbehandlung bei axillärer Hyperhidrose (unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse erstattet)
- Systemische Medikamente (Anticholinergika): Oxybutynin, Glycopyrronium – Verschreibung durch einen Dermatologen – Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Verstopfung) schränken den Einsatz ein
- Chirurgie (thorakale Sympathektomie): nur bei schweren, therapieresistenten Formen – Risiko eines kompensatorischen Schwitzens an anderen Stellen – Entscheidung durch einen Facharzt
Welche natürlichen Ansätze können die Behandlung ergänzen?
Ergänzend zu einer ärztlichen Betreuung bieten bestimmte Pflanzen und natürliche Ansätze eine dokumentierte Unterstützung bei leichten Formen der Hyperhidrose oder zur Verbesserung des Alltagskomforts, wie Arnaud, Apotheker, erklärt.
- Echter Salbei: Die EMA erkennt seine traditionelle Anwendung bei leichtem übermäßigem Schwitzen an – Kräutertee (2–3 g getrocknete Blätter, 2 Tassen täglich) oder Trockenextrakt – nicht bei schwangeren oder stillenden Frauen anwenden (Thujon)
- Hamamelis zur lokalen Anwendung: wirkt durch ihre Tannine adstringierend – reduziert die Oberflächenfeuchtigkeit – als wässrige Lösung auf die betroffenen Stellen auftragen
- Stressbewältigung: Stress verstärkt die primäre Hyperhidrose durch Stimulation des sympathischen Nervensystems – Herzkohärenz, Meditation und regelmäßige körperliche Aktivität verringern die Häufigkeit der Episoden
- Ernährung: Koffein, Alkohol und scharfe Speisen reduzieren – dokumentierte Auslöser – keine Wirkung bei schwerer primärer Hyperhidrose, aber hilfreich bei moderaten Formen
- Ätherische Öle gegen Schweißbildung: Zypresse, Palmarosa – verdünnt äußerlich anwenden – niemals unverdünnt auf die Achselhöhlen auftragen
Welchen Facharzt sollte man wann aufsuchen?
Hyperhidrose wird von Patienten allzu oft bagatellisiert, die sich lieber daran anpassen, anstatt einen Arzt aufzusuchen – was eine wirksame und angemessene Behandlung verzögert. Die mit übermäßigem Schwitzen verbundenen Gerüche verstärken zudem die psychosozialen Auswirkungen.
- Hausarzt als erste Anlaufstelle: schließt eine sekundäre Hyperhidrose aus (labormedizinische Untersuchung, ursächliche Medikamente), überweist bei Bedarf an einen Spezialisten
- Dermatologe: Referenzspezialist für primäre Hyperhidrose – verschreibt hochkonzentrierte Antitranspirantien, Iontophorese, Botulinumtoxin – beurteilt die Eignung für eine medizinische Behandlung
- Endokrinologe: bei Verdacht auf eine hormonelle Ursache (Schilddrüse, Diabetes, vorzeitige Menopause)
- Warnzeichen, die eine rasche Konsultation erfordern: plötzlich auftretende Hyperhidrose bei einem Erwachsenen ohne Vorerkrankungen, starkes nächtliches Schwitzen, in Verbindung mit Gewichtsverlust oder Fieber