Was ist eine distale Verstopfung und wie unterscheidet man sie von einer proximalen Verstopfung?
Die untere (oder distale) Verstopfung unterscheidet sich von der Transitverstopfung durch ihren Ort: Der Stuhl wird im Dickdarm zwar gut geformt, doch seine Ausscheidung über das Rektum ist erschwert – das Rektum ist voll, doch der Stuhl wird nicht ausgeschieden. Sie macht 30–40 % der chronischen Verstopfungen aus und erfordert einen spezifischen therapeutischen Ansatz. Entdecken Sie unser Sortiment gegen Verstopfung für passende Lösungen.
- Vordere (Transit-)Verstopfung: langsamer Stuhlgang im Dickdarm – seltener Stuhlgang (< 3/Woche) – Ballaststoffe + Flüssigkeitszufuhr + osmotische Abführmittel als Erstbehandlung – siehe unsere Seite zum Thema Verstopfung
- Distale Verstopfung: Stuhl im Rektum vorhanden, aber schwierige Entleerung – lang anhaltendes Pressen, Gefühl einer analen Blockade, Gefühl einer unvollständigen Entleerung – Stuhl von normaler Konsistenz, aber blockiert
- Rektale Dyschesie: medizinischer Begriff für Entleerungsschwierigkeiten – oft verbunden mit einem puborektalen Asynchronismus (der Pubococcygeus-Muskel entspannt sich beim Stuhlgang nicht)
- Spezifische Ursachen: Rektozele (Hernie der Rektumwand bei Frauen), Rektumprolaps, Anismus, postoperative Situation, verstopfende Medikamente (Opioide, Anticholinergika)
- Differentialdiagnose: Anorektale Manometrie und Defäkographie ermöglichen es, den unteren Ursprung zu bestätigen und die Behandlung entsprechend auszurichten
Lokale Behandlungen der unteren Verstopfung
Eine Verstopfung im unteren Darmbereich spricht besser auf lokale Behandlungen an als auf orale Abführmittel – eine direkte Einwirkung auf das Rektum ist wirksamer als auf den Dickdarm. Einen vollständigen Vergleich der Wirkstoffgruppen finden Sie auf unserer Seite zu Abführmitteln.
- Glycerin-Zäpfchen: befeuchten die Rektalschleimhaut und lösen den Stuhlabgangsreflex aus – Wirkung innerhalb von 15–30 Minuten – keine systemische Wirkung – anwendbar bei Kindern, Schwangeren und älteren Menschen – Erstbehandlung bei einer Verstopfung im unteren Darmabschnitt
- Mini-Einläufe (Microlax): Natriumlaurylsulfat + Sorbitol + Natriumcitrat – lösen den Stuhlabgangsreflex innerhalb von 5–15 Minuten aus – rein lokale Wirkung – ausgezeichnete Verträglichkeit
- Entleerungsklistiere: Phosphat oder Seifenwasser – nur bei Fäkalomen (Ansammlung von hartem Stuhl) oder zur Darmvorbereitung – auf ärztliche Verschreibung
- Osmotische rektale Abführmittel (Lactitol, Lactulose als Einlauf): machen den Stuhl im Rektum weich — lokale Wirkung ohne systemische Resorption
- Kombination aus lokaler und oraler Anwendung: bei gemischter Verstopfung (oberer + unterer Darm) – orales Macrogol zur Förderung der Darmtätigkeit + lokales Zäpfchen zur Auslösung
Stuhlgangposition, Training und ganzheitlicher Ansatz
- Optimale Stuhlgangposition: Füße auf einem Tritt (Höhe 20–25 cm) — ahmt die Hockstellung nach — entspannt den Musculus puborectalis — verbessert die Rektumausrichtung und verringert die Anstrengung
- Perineale Rehabilitation und Biofeedback: Standardtherapie bei Anismus (puborektaler Asynchronismus) – Erlernen der bewussten Entspannung des Schließmuskels beim Pressen – nachgewiesene Wirksamkeit in 70–80 % der Fälle von Anismus
- Lösliche Ballaststoffe (Flohsamen, Pektin): machen den Stuhl im Rektum weicher – erleichtern den Stuhlgang – schrittweise mit viel Wasser erhöhen – siehe unsere Seite „Die Darmtätigkeit verbessern“
- Magnesium: leichte osmotische Wirkung + Entspannung der glatten Rektalmuskulatur — 300–400 mg/Tag — als Ergänzung zu Ballaststoffen
- Medizinisch-chirurgische Konsultation bei: schwerer, hartnäckiger Verstopfung im unteren Darmbereich nach 3 Monaten ordnungsgemäßer Behandlung – symptomatischem Rektozele oder Rektumprolaps, der möglicherweise eine chirurgische Korrektur erfordert
Warnzeichen und Vermeidung von verstopfungsfördernden Medikamenten
- Warnzeichen (dringende Konsultation): Blut im Stuhl, unbeabsichtigter Gewichtsverlust, plötzliche Schwankungen der Darmtätigkeit, nächtliche Schmerzen – Verdacht auf Darmkrebs oder organische Läsion – Koloskopie unerlässlich
- Häufige konstituierende Medikamente: Opioide (Morphin, Tramadol – Verstopfung in 90 % der Fälle), trizyklische Antidepressiva, Anticholinergika, aluminiumhaltige Antazida, Eisenpräparate – prophylaktische Abführmittel bereits bei Beginn der Opioidtherapie vorausschauend verschreiben
- Verstopfung unter Opioiden: Methylnaltrexon oder Naloxegol (periphere Opioidantagonisten) – spezifische Behandlung auf ärztliche Verschreibung
- Ältere Menschen: erhöhtes Risiko für ein Fäkalom – regelmäßige Überwachung + vorbeugende Abführmittel + Flüssigkeitszufuhr – siehe unser Sortiment an Nahrungsergänzungsmitteln gegen Verstopfung
- Siehe unsere Seite zur Darmtätigkeit für einen ganzheitlichen Ansatz zur Regulierung der Darmtätigkeit