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Was ist ein Abszess im Mund und wie lässt er sich schnell behandeln?

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Was ist ein Mundabszess und welche Arten gibt es?

Ein Mundabszess ist eine bakterielle Eiteransammlung in der Mundhöhle. Er unterscheidet sich vomZahnabszess (pulparer Ursprung – Infektion, die aus dem Inneren des Zahns ausgeht) durch seinen Entstehungsort: Er bildet sich im Weichgewebe, das die Zähne umgibt, im Zahnfleisch oder im Alveolarknochen, ohne dass dabei zwangsläufig die Zahnpulpa betroffen ist. Die zugrunde liegende Ursache bestimmt die Art des Abszesses und die erforderliche Behandlung. Jeder Abszess im Mundraum ist ein medizinischer Notfall – er heilt niemals von selbst ab und sein Fortschreiten kann lebenswichtige Strukturen gefährden. PräventiveMundhygieneprodukte sind im Shop erhältlich.

  • Parodontaler (gingivaler) Abszess: der häufigste nach dem Zahnabszess – bildet sich in der Parodontaltasche (Raum zwischen Zahnfleisch und Zahnwurzel) – Hauptursache: chronische Parodontitis (Zahnfleischerkrankung mit fortschreitendem Knochenabbau) — kann auch durch einen unter dem Zahnfleisch festsitzenden Fremdkörper ausgelöst werden (Fischgräten, Speisereste, abgebrochener Zahnseidenfaden) — lokalisierte Schmerzen, rote und warme Zahnfleischschwellung, Blutung bei Berührung, bei Sondierung sichtbarer Eiter
  • Perikoronaler Abszess: um einen durchbrechenden Zahn herum, meist um den unteren Weisheitszahn — die Zahnfleischkappe (Gingivakappe) schließt die Bakterien ein — Schmerzen, die bis ins Ohr und in den Rachen ausstrahlen, Trismus (Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes), Schwellung der Wange – Behandlung: Spülung + Antibiotikatherapie, anschließend Entscheidung über den Weisheitszahn (Extraktion oft empfohlen)
  • Submuköser Abszess: im Weichgewebe unter der Schleimhaut – oft Folge einer Zahn- oder Parodontalinfektion, die die Knochenrinde durchbrochen hat – weiche, fluktuierende Schwellung, wenig schmerzhaft aufgrund geringerer Spannung – kann spontan fistulieren (natürliche Drainage)
  • Iatrogener Abszess: selten – infolge einer Anästhesieinjektion (mangelnde Asepsis), eines zahnärztlichen Eingriffs oder eines Traumas während der Behandlung – tritt innerhalb von 48–72 Stunden nach dem Eingriff auf

Was sind die Symptome und wie erkennt man einen Mundabszess?

  • Lokalisierte, pulsierende Schmerzen: Im Gegensatz zur Pulpitis (spontane, ausstrahlende Schmerzen) sind die Schmerzen bei einem parodontalen Abszess oft genau auf die infizierte Stelle beschränkt – sie verschlimmern sich durch Druck (Zubeißen, Berührung mit der Zunge) – und können bei perikoronalen Formen bis zum Ohr oder Hals ausstrahlen
  • Schwellung des Zahnfleisches oder des Gesichts: Der parodontale Abszess führt zu einer roten, warmen, schwankend (weich beim Abtasten) — der perikoronale Abszess führt zu einer Schwellung der Wange und schränkt die Mundöffnung ein — jede Schwellung, die sich unter den Kiefer oder bis zum Hals ausbreitet, erfordert noch am selben Tag eine Notfallkonsultation
  • Mundgeruch (Halitosis): Bakterieller Eiter (bestehend aus anaeroben Schwefelbakterien) produziert flüchtige Schwefelverbindungen (VSC), die eine starke Mundgeruch verursachen – ein häufiges Symptom, das oft zuerst von der Umgebung bemerkt wird – verschwindet vollständig mit der Behandlung der Infektion — siehe auch Zähneputzen
  • Fieber und Unwohlsein: Fieber > 38 °C ist ein Zeichen dafür, dass die Infektion über den lokalen Bereich hinausgeht — die meisten einfachen Mundabszesse verlaufen fieberfrei — jedes damit verbundene Fieber erfordert eine systemische Antibiotikatherapie
  • Unangenehmer Geschmack im Mund: salziger oder bitterer Eitergeschmack — oft ein Anzeichen dafür, dass der Abszess begonnen hat, spontan eine Fistel zu bilden — die Fistel (Abflusskanal) lindert die Schmerzen, heilt die Infektion jedoch nicht

Was sind die Ursachen und begünstigenden Faktoren für einen Mundabszess?

  • Unbehandelte Parodontitis: Hauptursache für parodontale Abszesse – die fortschreitende Zerstörung des Knochens und des Parodontalligaments führt zur Bildung tiefer Taschen, in denen sich Bakterien unter Sauerstoffmangel ansammeln – Porphyromonas gingivalis, Fusobacterium nucleatum und Treponema denticola sind die Hauptkeime – jede unbehandelte Parodontitis kann zu einem Abszess führen
  • Unzureichende Mundhygiene: Bakterienbelag, der nicht täglich entfernt wird, bildet innerhalb von 24–48 Stunden einen pathogenen Biofilm — dieser verkalkt anschließend zu Zahnstein (der sich nicht durch Zähneputzen entfernen lässt) — subgingivaler Zahnstein ist das direkte Substrat für parodontale Abszesse
  • Unkontrollierter Diabetes: Diabetes erhöht das Risiko für Parodontitis und parodontale Abszesse um das 3- bis 5-Fache – Hyperglykämie schwächt die lokalen Abwehrkräfte und beeinträchtigt die Wundheilung des Zahnfleisches – der Zusammenhang ist bidirektional: Parodontitis beeinträchtigt ebenfalls den Blutzuckerspiegel
  • Tabak: Gefäßverengung im Zahnfleisch, die Blutungen verschleiert (frühes Anzeichen einer Parodontitis) — lokale Immunsuppression — verzögerte Wundheilung — Raucher leiden 3- bis 5-mal häufiger an schweren Parodontitiden
  • Fremdkörper und Traumata: Fischgräten, Nussschalenfragmente oder Popcorn, das unter dem Zahnfleisch festsitzt – kann einen akuten Abszess ohne vorbestehende Parodontitis auslösen – oft allein durch Entfernung des Fremdkörpers behoben

Behandlung, Rezidivprophylaxe und ergänzende Maßnahmen

  • Drainage – unerlässlich: Wie bei jedem Abszess entfernen Antibiotika allein den Eiter nicht – die Inzision und Drainage durch den Zahnarzt oder Arzt ist die vorrangige Maßnahme – der parodontale Abszess kann auch über die Parodontaltasche drainiert werden (Notfall-Zahnsteinentfernung und Glättung) — nahezu sofortige Schmerzlinderung nach der Drainage
  • Antibiotikatherapie: angezeigt bei Fieber, Ausbreitung der Schwellung oder Immunschwäche — Amoxicillin 2–3 g/Tag oder Metronidazol 1,5 g/Tag (Metronidazol ist besonders wirksam gegen parodontale Anaerobier) — Kombination aus Amoxicillin und Metronidazol bei schwerem Abszess — Propolis kann die lokale antibakterielle Wirkung zur Unterstützung der verordneten Behandlung ergänzen
  • Grundlegende Behandlung der Parodontitis: Zahnsteinentfernung + Wurzelglättung (Entfernung von subgingivalem Zahnstein und an der Zahnwurzel haftenden Bakterien) — in schweren Fällen kann ein parodontaler Eingriff (Zugangslamelloplastik) erforderlich sein — Nachsorge bei Parodontitis alle 3–6 Monate — siehe unsere Seite zum Thema Parodontitis
  • Vorbeugung von Rückfällen: Ein parodontaler Abszess tritt erneut auf, wenn die zugrunde liegende Parodontitis nicht unter Kontrolle gebracht wird — zweimal tägliches Zähneputzen mit einer weichen Zahnbürste — Interdentalbürsten oder Zahnseide (der Schlüssel zur Entfernung von subgingivalem Zahnbelag) — Chlorhexidin-Mundspülung während der aktiven Behandlung — Kontrolle des Diabetes und Raucherentwöhnung — Produkte aus dem Bereich der Mundhygiene
  • Wann ist ein Notfall: Schwellung, die sich bis zum Hals oder unter den Kiefer ausbreitet — Fieber > 38,5 °C — Schluckbeschwerden oder Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen — starkes allgemeines Unwohlsein — bei Zahnschmerzen bis zum Arzttermin: Spülen mit lauwarmem Salzwasser + kalte Kompresse + Paracetamol — siehe Seite „Zahnschmerzen“ für Schmerzbehandlung und Maßnahmen bei Zahnfleischbluten