Was ist ein hypoallergenes Produkt?
Ein hypoallergenes Produkt ist so formuliert, dass es das Risiko allergischer Reaktionen minimiert, indem es auf Substanzen verzichtet, die als die wichtigsten kosmetischen Allergene bekannt sind. Diese Angabe findet sich auf vielen Produkten für empfindliche Haut, doch was sich dahinter verbirgt, kann je nach Hersteller sehr unterschiedlich sein. Es handelt sich in erster Linie um eine werbliche Aussage und nicht um ein im engeren Sinne gesetzlich geregeltes Gütesiegel. Zu verstehen, was diese Angabe verspricht – und was nicht –, ist entscheidend, um Kosmetika in voller Kenntnis der Sachlage auszuwählen.
Woher stammt diese Angabe?
Die Bezeichnung „hypoallergen“ tauchte in den 1950er Jahren in den Vereinigten Staaten auf, zu einer Zeit, als die Kosmetikindustrie versuchte, den Verbrauchern die Sicherheit ihrer Produkte zu versichern. Die Vorsilbe „Hypo“ bedeutet „geringer, unter“. Das Wort bedeutet also nicht „null Risiko“, sondern „verringertes Risiko“ im Vergleich zu einem Standardprodukt. Von Anfang an ging seine kommerzielle Verwendung weit über seinen genauen wissenschaftlichen Inhalt hinaus – bereits ein Bericht der US-amerikanischen Food and Drug Administration aus dem Jahr 1975 kam zu dem Schluss, dass der Begriff dermatologisch gesehen „keine klare Bedeutung“ habe. Die Frage ist nach wie vor aktuell.
Gibt es strenge gesetzliche Rahmenbedingungen?
Nein, es gibt keinen einheitlichen Rahmen. Das ist der wichtigste Punkt, den man wissen muss:
- In der Europäischen Union (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009) ist der Begriff „hypoallergen“ auf dem Etikett zulässig, unterliegt jedoch keinen harmonisierten Spezifikationen;
- Jeder Hersteller legt seine eigenen Kriterien für die Verwendung dieses Begriffs fest;
- Die Verwendung muss jedoch dem allgemeinen Grundsatz der europäischen Verordnung über kosmetische Angaben (Verordnung (EU) Nr. 655/2013) entsprechen: „Wahrhaftigkeit, Nachweisbarkeit, Aufrichtigkeit, Fairness, fundierte Entscheidungsfindung“;
- In der Praxis dokumentieren seriöse Hersteller ihr Vorgehen: Ausschluss der wichtigsten bekannten Allergene, klinische Tests an empfindlicher Haut, dermatologische Kontrolle;
- Weniger gewissenhafte Hersteller können den Begriff mit einem minimalistischen oder sogar rein deklarativen Ansatz verwenden.
Wie lässt sich ein „hypoallergenes“ Etikett entschlüsseln?
Einige nützliche Tipps für den Einkauf im Geschäft oder in der Apotheke:
- Lesen Sie die INCI-Liste: Je kürzer sie ist, desto schlichter ist die Rezeptur;
- Prüfen Sie, ob die 26 deklarationspflichtigen Duftstoffallergene (Linalool, Limonen, Citronellol, Geraniol usw.) nicht enthalten sind;
- Achten Sie auf die Angabe „parfümfrei“ oder „Allergenfreies Parfüm“;
- Konservierungsstoffe identifizieren: Meiden Sie Methylisothiazolinon (MIT) und Methylchloroisothiazolinon, die derzeit in Europa am häufigsten vorkommenden kosmetischen Allergene;
- Bevorzugen Sie Produkte mit einer begrenzten Anzahlpotenziell allergieauslösender Inhaltsstoffe (ätherische Öle, sensibilisierende Konservierungsstoffe);
- Achten Sie auf die Angabe „dermatologisch getestet“ oder „unter pädiatrischer Aufsicht getestet“, die eine zusätzliche Sicherheit bietet;
- Bei nachgewiesenen Hautallergien den Apotheker um Rat fragen.
Was sind die Unterschiede zu „nicht komedogen“ und „hochverträglich“?
Drei häufig verwechselte Angaben, die unterschiedlichen Anliegen entsprechen:
- Hypoallergen: Zielt darauf ab, allergische Reaktionen durch die Begrenzung bekannter Allergene zu reduzieren;
- Nicht komedogen: zielt darauf ab, die Poren nicht zu verstopfen, was bei unreiner Haut von Interesse ist, hat jedoch keinen direkten Bezug zu Allergien;
- Hochverträglich: strenge pharmazeutische Vorgaben, minimalistische Rezeptur, sterile Verpackung, Tests an erkrankter Haut – höhere Anforderungen als bei „hypoallergen“;
- Eine Formel kann alle drei Kennzeichnungen tragen oder nur eine – ideal für Haut, die gleichzeitig reaktiv und zu Akne neigt.
Welche Allergene lassen die Hersteller weg?
Die wichtigsten Inhaltsstoffe, die in einer wirklich hypoallergenen Rezeptur nicht enthalten sind:
- Duftstoffe und deklarationspflichtige Duftallergene;
- Sensibilisierende Konservierungsstoffe (MIT, MCI, Formaldehyd, Formaldehyd-Freisetzer);
- Lanolin und Derivate (häufiges Allergen);
- Synthetische Farbstoffe ohne funktionellen Nutzen;
- Bestimmte ätherische Öle mit hohem Allergiepotenzial (Zimt, Pfefferminze, Teebaum in hoher Konzentration);
- Nickel (das bestimmte mineralische Pigmente verunreinigen kann);
- Trockene Alkohole und reizende Lösungsmittel, die das Eindringen von Allergenen verstärken können.
Wie testet man ein Produkt vor der regelmäßigen Anwendung?
Der Test in der Ellenbeuge ist nach wie vor die empfohlene Vorgehensweise, selbst bei hypoallergenen Produkten:
- Tragen Sie eine kleine Menge in die Ellenbeuge oder hinter das Ohr auf;
- Lassen Sie das Produkt nach Möglichkeit 24 bis 48 Stunden einwirken, ohne es abzuspülen;
- Auf Rötungen, Juckreiz, Kribbeln, Schwellungen oder Bläschen achten;
- Wenn keine Reaktion auftritt, die Anwendung schrittweise ausweiten;
- Bei Gesichtspflegeprodukten zunächst einige Tage lang an einer kleinen Stelle (Wangenknochen oder Schläfe) testen;
- Beobachten Sie den Zustand der Hautbarriere 1 bis 2 Wochen lang nach Einführung eines neuen Pflegeprodukts.
Der Test schützt nicht vor verzögerten Allergien (24 bis 72 Stunden), die erst später auftreten können. Im Zweifelsfall ist die Beratung durch einen Dermatologen oder Allergologen nach wie vor sehr wertvoll.
Wann sollte man einen Allergologen aufsuchen?
Ein Arztbesuch ist in mehreren Situationen erforderlich:
- Wiederholte Reaktionen trotz der Verwendung sogenannter hypoallergener Produkte;
- Verdachtauf eine Kontaktallergie gegen einen bestimmten Inhaltsstoff (Patch-Tests erforderlich);
- Reaktionen, die über den Anwendungsbereich hinausgehen (systemische Allergie);
- Ausgeprägte persönliche oder familiäre Vorerkrankungen (chronisches Ekzem, Asthma, allergische Rhinitis);
- Auftreten einer generalisierten Urtikaria, eines Gesichtsödems oder von Atembeschwerden: lebensbedrohlicher Notfall, sofortige Notrufnummer 15 oder 112 anrufen (Verdacht auf Quincke-Ödem oder Anaphylaxie).
Der Apotheker ist nach wie vor der erste Ansprechpartner, der bei der Auswahl von Kosmetika berät und auf Situationen hinweist, die eine ärztliche Abklärung erfordern.