Was ist eine hochverträgliche Pflege?
Das Label „hohe Verträglichkeit“ bezeichnet eine Kategorie der dermokosmetischen Pflegeprodukte, die strengen pharmazeutischen Anforderungen entsprechen und für besonders empfindliche Haut bestimmt sind – chronisches Ekzem, atopische Dermatitis, Nachbehandlungen bei Hauterkrankungen, Nachbehandlungen nach ästhetischen Eingriffen, intolerante Haut. Dieses Label, das Ende der 1980er Jahre in französischen Pharmalabors ins Leben gerufen wurde, geht über die einfache Bezeichnung „hypoallergen“ hinaus: Es schreibt eine minimalistische Rezeptur, die Rückverfolgbarkeit jedes einzelnen Inhaltsstoffs, den Verzicht auf die wichtigsten bekannten Allergene sowie verstärkte klinische Kontrollen einschließlich Tests an erkrankter Haut vor.
Welche Pharmaunternehmen haben es ins Leben gerufen?
Mehrere wegweisende Produktreihen haben die Standards des Labels definiert; sie alle entstanden in Apotheken und basieren auf Thermalwasser mit wissenschaftlich untersuchten Eigenschaften:
- Avène Tolérance Extrême, basierend auf dem Thermalwasser von Avène-les-Bains;
- La Roche-Posay Toleriane, basierend auf dem Thermalwasser von La Roche-Posay;
- Uriage Tolérance, basierend auf dem Thermalwasser aus Uriage-les-Bains;
- Eucerin Ultrasensitive, eine eigene Produktlinie des deutschen Labors Beiersdorf;
- Bioderma Sensibio, basierend auf der D.A.F.-Technologie (Dermatological Advanced Formulation).
Diese Produktreihen werden regelmäßig in der dermatologischen Praxis untersucht und gelten nach wie vor als die von Fachärzten verschriebenen Referenzprodukte.
Welche Formulierungskriterien erfüllt dieses Gütesiegel?
Das Lastenheft für hohe Verträglichkeit schreibt mehrere Anforderungen vor:
- Kurze INCI-Liste (oft weniger als 10 bis 15 Inhaltsstoffe);
- Ohne Duftstoffe (das häufigste Allergen in der Kosmetik);
- Frei von problematischen Konservierungsstoffen (Methylisothiazolinon, Phenoxyethanol, langkettige Parabene) – oder alternative Systeme (sterile Verpackung);
- Ohne austrocknendenAlkohol;
- Ohne aggressive Sulfate (SLS, SLES) in Reinigungsprodukten;
- Ohne Farbstoffe;
- Sterile und luftdichte Verpackungen (Einzeldosis-Tube, Airless-Flasche, Ampullen) für sehr reine Formeln;
- Formulierungswasser aus einer rückverfolgbaren und untersuchten Thermalquelle;
- Klinische Tests unter dermatologischer und pädiatrischer Aufsicht.
Für welche Hauttypen sind diese Pflegeprodukte konzipiert?
Die bevorzugten Anwendungsgebiete umfassen verschiedene Hautbilder:
- Atopische Dermatitis zur Pflege zwischen den Schüben;
- Chronisches Ekzem und Neigung zu Kontaktallergien;
- Anhaltende Rötungen und stabilisierte Rosazea;
- Haut von Säuglingen, Schwangeren und Senioren;
- Phase nach Laserbehandlungen, Peelings oder Hautstrahlentherapie;
- Patienten unter Chemotherapie oder zielgerichteten Therapien mit Hautbeteiligung;
- Haut, die auf mehrere Kosmetika mit Reaktionen reagiert hat und nach Stabilität sucht;
- Personen, bei denen mehrere Kontaktallergien festgestellt wurden (Nickel, Duftstoffe, Konservierungsstoffe).
Welche Pflegeroutine empfiehlt sich bei diesen Produktreihen?
Die typische Pflegeroutine folgt der Philosophie der Produktlinie: Minimalismus.
- Morgens und abends: ultra-mildes Reinigungsmittel (Mizellenwasser, Reinigungsmilch ohne Abspülen, Reinigungsfluid);
- Thermalwasser-Spray zum Abschluss oder in der Mitte der Pflege als beruhigendes Mittel;
- Hochverträgliches Hyaluronsäure-Serum auf trockene Hautpartien auftragen;
- Reparierende Barriere-Creme oder -Emulsion morgens und abends;
- MineralischerSonnenschutz mit LSF 30 bis 50 speziell für hochsensible Haut, jeden Morgen;
- Kein Peeling, keine reinigende Maske, keine konzentrierten Wirkstoffe in der Pflegeroutine;
- Bei aufgerissener oder sehr trockener Haut punktuell einen heilenden Balsam auftragen.
Welche typischen Wirkstoffe sind enthalten?
Die wichtigsten Wirkstoffe in hochverträglichen Formulierungen:
- Thermalwasser (Avène, La Roche-Posay, Uriage, Vichy), reich an beruhigenden Spurenelementen;
- Biomimetische Ceramide zum Wiederaufbau der Hautbarriere;
- Niacinamid (Vitamin B3) in dosierter Menge;
- Pflanzliches Glycerin und Panthenol (Vitamin B5);
- Pflanzliches Squalan (aus Oliven);
- Sheabutter und hochwertige pflanzliche Öle (Jojoba, Süßmandel);
- Patentierte, labor-spezifische beruhigende Wirkstoffe (Avène Sterol™, Bioderma D.A.F.™, etc.).
Wodurch unterscheiden sie sich von hypoallergenen Produkten?
Der Unterschied ist wichtig, wird aber oft nicht erkannt. Die Bezeichnung „hypoallergen“ ist eine Selbsterklärung des Herstellers, die auf eine Reduzierung bekannter Allergene in der Rezeptur hinweist – ohne gemeinsamen regulatorischen Rahmen. Das Label „hohe Verträglichkeit“ hingegen begnügt sich nicht mit einer bloßen Reduzierung: Es schreibt ein umfassendes pharmazeutisches Formulierungsprotokoll, klinische Tests an erkrankter Haut, vollständige Rückverfolgbarkeit und oft eine sterile Verpackung vor. Das ist der Unterschied zwischen einem „Weniger“ (weniger Allergene) und einem „Mehr“ (ein anspruchsvoller und überprüfbarer Rahmen). Für besonders empfindliche Haut bietet die „Hohe Verträglichkeit“ eine höhere Garantie.
Wann sollte man einen Dermatologen aufsuchen?
Ein Arztbesuch ist erforderlich bei:
- Anhaltende Hautreaktionen trotz der Verwendung hochverträglicher Pflegeprodukte;
- Verdacht auf eine Kontaktallergie, die genau identifiziert werden muss (Patch-Tests);
- Verdacht auf eine zugrunde liegende chronische Hauterkrankung;
- Verschlimmerung der Symptome oder Auftreten von Wunden;
- Einleitung einer auf das Reaktionsprofil abgestimmten Nachsorge.
Der Apotheker bleibt der bevorzugte Ansprechpartner, um die für das jeweilige Hautprofil am besten geeigneten Produktreihen zu empfehlen und die tägliche Hautpflege in Abstimmung mit der dermatologischen Betreuung zu begleiten.