Was ist eine Gallensteinerkrankung und wie entstehen Gallensteine?
Unter Gallensteinerkrankung versteht man das Vorhandensein von Steinen in der Gallenblase oder den Gallenwegen, die durch die Kristallisation von Gallenbestandteilen entstehen. Sie betrifft 10–15 % der erwachsenen Bevölkerung in Frankreich und verläuft in 80 % der Fälle symptomfrei. Arnaud, Doktor der Pharmazie, betont: Bei jedem schmerzhaften Gallenanfall ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Auf unserer Seite „Lebererkrankungen“ finden Sie Informationen zu allen Erkrankungen der Leber.
- Cholesterinsteine (80 % der Fälle in Frankreich): Übersättigung der Galle mit Cholesterin → Kristallbildung – gelbe oder weiße Steine – begünstigt durch Adipositas, orale Kontrazeptiva, eine Ernährung reich an gesättigten Fetten sowie raschen Gewichtsverlust
- Pigmentsteine (Bilirubinsteine): Anreicherung von unkonjugiertem Bilirubin → schwarze oder braune Steine – assoziiert mit chronischen hämolytischen Erkrankungen (Sichelzellenanämie, Sphärozytose), Leberzirrhose, Gallenwegsinfektionen
- Risikofaktoren: die 5 „F“ (Female, Fat, Forty, Fertile, Fair) – Frauen > 40 Jahre mit Übergewicht, Mehrfachgeburten, orale Kontrazeptiva – außerdem: längeres Fasten, drastische kalorienarme Diät, totale parenterale Ernährung
- Choledocholithiasis: Wanderung des Steins in den Choledochus (Hauptgallengang) → Obstruktion → obstruktiver Gelbsucht + Risiko einer Angiocholitis — siehe unsere Seite zur Gelbsucht
- Gallenblase: speichert zwischen den Mahlzeiten 30–50 ml Galle – zieht sich bei jeder fettreichen Mahlzeit zusammen, um die Galle in den Zwölffingerdarm abzugeben – Gallenblasenhypokinesie = zusätzlicher lithogener Faktor
Symptome, Komplikationen und gallige Notfälle
- Leberkolik: starke Schmerzen im rechten Hypochondrium + Ausstrahlung in Richtung der rechten Schulter — ausgelöst durch eine fettreiche Mahlzeit — dauert 15 Minuten bis 3 Stunden — Übelkeit + Erbrechen — lässt spontan nach, wenn sich der Stein löst
- Akute Cholezystitis: im Gallenblasenhals festsitzender Stein → Entzündung + Infektion — anhaltende Schmerzen > 6 Stunden + Fieber + Murphy-Zeichen (Druckschmerz im rechten Hypochondrium beim Einatmen) → chirurgischer Notfall
- Angiocholitis: Charcot-Triade (Fieber + Schüttelfrost + Gelbsucht + Schmerzen) – Gallenstein im Gallengang + bakterielle Infektion der Gallenwege → schwere Sepsis → sofort den Notruf 15 wählen
- Akute biliäre Pankreatitis: wandernder Stein, der den Wirsung-Gang verstopft → schwere Pankreasentzündung — stechende epigastrische Schmerzen → Notfallstation
- Asymptomatische Träger: Behandlung nicht empfohlen, außer bei besonderen Risikofaktoren (Diabetes, Porzellan-Gallenblase, Pankreatitis in der Anamnese) — Ultraschallüberwachung
Medikamentöse und chirurgische Behandlungen
- Laparoskopische Cholezystektomie: Entfernung der Gallenblase mittels Laparoskopie – Standardbehandlung bei symptomatischer Gallensteinerkrankung – kurzer Krankenhausaufenthalt (24–48 Stunden) — normales Leben ohne Gallenblase (die Galle fließt direkt von der Leber in den Zwölffingerdarm)
- ERCP (endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikographie): endoskopische Entfernung von Steinen aus dem Gallengang – erfolgt vor oder begleitend zur Cholezystektomie – Behandlung der Choledocholithiasis
- Ursodesoxycholsäure (UDCA): löst kleine Cholesterinsteine (< 5 mm) bei asymptomatischen, nicht operierbaren Patienten auf — Dauer 6–24 Monate — Wirksamkeit beschränkt sich auf röntgentransparente Steine
- Extrakorporale Lithotripsie: Stoßwellen, die die Steine zertrümmern – in Frankreich nicht mehr angewendet (häufige Rückfälle)
- Spasmolytika (Phloroglucinol) bei akuten Anfällen: symptomatische Linderung von Spasmen des Sphinkter Oddi während einer Kolik – behandeln den Stein nicht
Prävention, Ernährung und wichtige Kontraindikationen
- Vorbeugende Ernährung: lösliche Ballaststoffe (25–30 g/Tag) — ungesättigte Fettsäuren (Olivenöl, Omega-3) — Kaffee (senkt das Risiko für Cholesterinsteine) — gesättigte Fette und raffinierten Zucker reduzieren
- Stabiles Gewicht: zu schnelle Abnehmdiäten vermeiden (> 1–1,5 kg/Woche) → Übersättigung der Galle mit Cholesterin — prophylaktische AUDC wird manchmal bei bariatrischen Eingriffen verschrieben
- FORMELLE KONTRAINDIKATION: Choleretika und Cholagoga (Schwarzer Rettich, Boldo, Artischocke in hoher Dosierung) — kontraindiziert bei bekannten Gallensteinen — Risiko einer Steinwanderung in den Gallengang → Angiocholitis oder Pankreatitis
- Mariendistel (Silymarin): leberschützend — gute Verträglichkeit für die Gallenblase, da keine nennenswerte choleretische Wirkung — kann mit Vorsicht angewendet werden — ärztliche Beratung empfohlen
- Siehe unsere Seite zur Gallenfunktionsstörung bei Schwierigkeiten bei der Fettverdauung nach einer Cholezystektomie — Lipaseenzyme + Rindergalle als Ergänzung