Was ist Stomatitis und welche verschiedenen Formen gibt es?
Stomatitis ist eine Entzündung der Mundschleimhaut – sie kann das Zahnfleisch, die Innenseite der Wangen, die Zunge, den Gaumen, die Lippen und den Rachen betreffen. Dieser Begriff umfasst mehrere unterschiedliche Krankheitsbilder, die nicht alle dieselbe Ursache oder dieselbe Behandlung haben. Vor jeder Behandlung ist eine genaue Diagnose durch einen Arzt oder Zahnarzt unerlässlich, insbesondere wenn die Läsionen länger als zwei Wochen bestehen bleiben, mit Fieber einhergehen oder Schluckbeschwerden verursachen. DieMundhygiene sowie die im Shop erhältlichen Produkte gegen Aphten können die medizinische Behandlung ergänzen.
- Aphthöse Stomatitis (Aphten): die häufigste Form – runde oder ovale Geschwüre mit gelblich-weißem Grund, leuchtend roter Rand, sehr schmerzhaft – heilen spontan innerhalb von 7 bis 14 Tagen ab – treten bei der rezidivierenden aphthösen Stomatitis (RAS) wiederholt auf – bei vereinzelten Aphten siehe die entsprechende Seite zu Aphten
- Herpetische Stomatitis: verursacht durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) – oft schwere Primärinfektion (Fieber, zahlreiche Bläschen, entzündetes Zahnfleisch, Nahrungsverweigerung bei Kindern) – Rezidive treten eher an den Lippen (Fieberbläschen) als im Mund auf – Vorsicht vor Ansteckungsgefahr in der aktiven Phase
- Orale Candidose (Soor): Pilzinfektion durch Candida albicans – weißlich-cremige Beläge auf Zunge, Wangen und Gaumen – lassen sich im Gegensatz zu Leukoplakien leicht abkratzen – begünstigt durch Antibiotika, inhalative Kortikosteroide, Diabetes, Immunsuppression, Mundtrockenheit – verschreibungspflichtige antimykotische Behandlung (lokales Amphotericin B, systemisches Fluconazol) – siehe Seite „Candidosen“
- Kontakt- oder allergische Stomatitis: Reaktion auf zahnmedizinische Materialien (Nickel, Acryl), Lebensmittel (Kiwi, Nüsse, Gewürze), Zahnpasten (SLS – Natriumlaurylsulfat), alkoholhaltige Mundspülungen – erythematöse oder vesikuläre Läsionen – Identifizierung und Vermeidung des Allergens = Hauptbehandlung
- Stomatitis infolge einer Chemo-/Strahlentherapie (orale Mukositis): häufige Komplikation bei Chemotherapien und Strahlentherapie im Hals-Gesichts-Bereich – ulzerierte, sehr schmerzhafte Mundschleimhaut, hohes Infektionsrisiko – zwingend erforderliche fachärztliche Betreuung in der Onkologie
Welche Mangelzustände begünstigen rezidivierende Stomatitis?
- Eisenmangel: Eisenmangel ist eine der häufigsten Ursachen für rezidivierende aphthöse Stomatitis – Eisen ist für die Erneuerung der Schleimhautzellen und die lokale Immunabwehr unverzichtbar – klassisches Anzeichen: rezidivierende Aphthen + Müdigkeit + Blässe + brüchige Nägel → Ferritin-Spiegel bestimmen
- Vitamin-B12-Mangel: Vitamin B12 ist für den schnellen Zellaustausch der Mundschleimhaut notwendig – ein Mangel führt zu Geschwüren, einer roten und glatten Zunge (atrophische Glossitis) sowie Rissen in den Mundwinkeln – Risikogruppen: Veganer, ältere Menschen unter PPI-Behandlung, Patienten nach einer Gastrektomie
- Zinkmangel: Zink ist Cofaktor von über 100 Enzymen, die an der Schleimhautregeneration und der Immunabwehr beteiligt sind – ein Mangel verlangsamt die Wundheilung und begünstigt wiederkehrende Geschwüre – Begleiterscheinungen: periorale Dermatitis, Geschmacksverlust (Ageusie), brüchiges Haar
- Vitamin-C-Mangel: Skorbut (schwerer Mangel) äußert sich klassischerweise durch geschwollenes, blutendes Zahnfleisch und Schleimhautgeschwüre — ein subklinischer Mangel schwächt die Schleimhäute und mindert die lokale Immunabwehr — Risikogruppen: isolierte ältere Menschen, Raucher (Tabak verringert die Aufnahme von Vitamin C)
- Zöliakie und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Eine rezidivierende aphthöse Stomatitis kann ein Hinweis auf eine nicht diagnostizierte Zöliakie (Gluten-Enteropathie) oder Morbus Crohn sein – daran sollte man denken bei schwerer, häufig wiederkehrender und gegenüber üblichen Behandlungen resistenter Aphthose
Welche natürlichen Behandlungen und Pflegemaßnahmen lindern Stomatitis?
- Lokale Erstbehandlungen: antiseptische Mundspülungen (Chlorhexidin 0,12–0,2 % – die am besten dokumentierte Wirkung gegen Bakterien und Hefepilze im Mundraum) – lokale Betäubungsgele (2 % Lidocain zur topischen Anwendung) zur Schmerzlinderung vor den Mahlzeiten — topische Kortikosteroide (Triamcinolonacetonid als Mundpaste) bei schweren Aphten — lokale Antimykotika (Amphotericin B als Suspension) bei Candidiasis — diese Behandlungen sind nur auf ärztliche Verschreibung oder nach ärztlicher Beratung anzuwenden
- Natriumhydrogencarbonat: Mundspülung mit 1 Teelöffel in einem Glas lauwarmem Wasser — alkalisiert den pH-Wert im Mundraum (ungünstig für Bakterien und Hefen, die saure Milieus bevorzugen) — reinigt die Geschwüre sanft, ohne die Schleimhaut zu reizen — 3- bis 4-mal täglich zwischen den Mahlzeiten anwenden — sanfte Alternative zu Chlorhexidin bei leichten Stomatitiden
- Manuka-Honig: nachgewiesene antibakterielle Wirkung (Methylglyoxal – MGO – natürlicher antiseptischer Wirkstoff) – lindert Entzündungen und lokale Schmerzen – mehrmals täglich direkt auf die Läsionen auftragen – MGO-Index ≥ 250 für therapeutische Wirksamkeit empfohlen – nicht bei Säuglingen unter 1 Jahr anwenden
- Propolis: antibakterielles, antivirales und antimykotisches Pflanzenharz — erhältlich als Mundspray oder Lösung — wirksam gegen Candida und verschiedene Mundbakterien — kann bei herpetischen und durch Candida verursachten Stomatitis als Ergänzung zur verschriebenen Behandlung helfen
- Dexpanthenol als Mundspülung: fördert die Reepithelisierung der geschwürigen Schleimhäute — bildet einen Schutzfilm auf den Läsionen — besonders geeignet nach zahnärztlichen Eingriffen und bei leichten chemotherapiebedingten Mukositis — erhältlich in geeigneten Mundspülungen
Wie lassen sich Rückfälle verhindern und wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
- Angemessene Mundhygiene: zweimal täglich sanftes Zähneputzen mit einer weichen Zahnbürste (harte Zahnbürsten verletzen die Schleimhaut) — Zahnpasta ohne SLS (Natriumlaurylsulfat) – mehrere Studien bringen SLS mit einer erhöhten Häufigkeit von Aphten in Verbindung – alkoholhaltige Mundspülungen bei geschwächter Schleimhaut vermeiden – mildeMundhygieneprodukte im Shop erhältlich
- Ernährung und zu vermeidende Auslöser: saure Lebensmittel (Zitrusfrüchte, Tomaten, Essig) — scharfe Speisen (Chili, Curry) — Nüsse, Gruyère, Schokolade, Ananas (typische Auslöser für Aphten bei empfindlichen Personen) — ein Ernährungstagebuch hilft dabei, persönliche Auslöser zu identifizieren — in der akuten Phase sollte man milde und frische Kost bevorzugen
- Stressbewältigung: Stress ist ein wesentlicher Auslöser für rezidivierende Aphthenstomatitis – er schwächt die lokale Immunabwehr der Schleimhaut – Entspannungstechniken, ausreichend Schlaf und regelmäßige körperliche Aktivität verringern die Häufigkeit der Schübe
- Ernährungsuntersuchung bei wiederkehrenden Schüben: rezidivierende aphthöse Stomatitis ohne offensichtlichen Auslöser → Blutuntersuchung (Blutbild, Ferritin, B12, Folsäure, Zink, CRP) – die Erkennung und Behebung eines Mangels reicht oft aus, um die Schübe deutlich zu verzögern
- Wann ist ein Notfall: Geschwüre, die länger als 3 Wochen bestehen (Mundhöhlenkrebs ausschließen) — begleitendes Fieber > 38,5 °C — Schluck- oder Atembeschwerden — sich schnell ausbreitende Läsionen — Stomatitis bei einem immunsupprimierten Patienten (HIV, Chemotherapie, Transplantationspatient) — Anzeichen einer systemischen Infektion