Was ist eine pflanzliche Seife und worin unterscheidet sie sich von gewöhnlicher Seife?
Eine pflanzliche Seife ist eine Seife, die ausschließlich aus pflanzlichen Fetten – Ölen und Buttern – hergestellt wird, die mit einer alkalischen Base (Soda oder Pottasche) verseift wurden. Sie unterscheidet sich von herkömmlichen Industrieseifen dadurch, dass sie weder tierische Fette (Talg) noch aus Erdöl gewonnene Mineralöle enthält.
- Herkömmliche industrielle Seife: kann Talg (Rinderfett), Mineralöle, synthetische Tenside und Konservierungsstoffe enthalten – oft unkontrollierter alkalischer pH-Wert
- Kaltverseifte pflanzliche Seife (Cold Process): pflanzliche Öle + Natronlauge – Glycerin ist von Natur aus in der Seife enthalten (wird im Gegensatz zu industriellen Seifen nicht entfernt) – rückfettende Wirkung bleibt erhalten
- Pflanzliche Seife, heißverseift (Hot-Process): gleiche Zusammensetzung, aber anderes Verfahren – Glycerin ist weniger gut eingebunden, die Eigenschaften der Öle sind stärker beeinträchtigt
- Aleppo-Seife: historischer Maßstab für pflanzliche Seife — Olivenöl + Lorbeerbeerenöl — je höher der Lorbeeranteil, desto wirksamer und teurer ist die Seife
- Kastilienseife: 100 % verseiftes Olivenöl – sehr mild, natürliche Rückfettung durch Olivenöl, lange Aushärtungszeit
Welche pflanzlichen Öle bestimmen das Profil einer Seife?
Die Wahl der Basisöle ist die wichtigste Entscheidung bei der Herstellung einer pflanzlichen Seife – jedes Öl bringt eigene Eigenschaften mit.
- Kokosöl: Laurinsäure und Myristinsäure – reichhaltiger Schaum und kraftvolle Reinigung – hervorragend für harte Seifen – kann bei zu hohem Anteil (>30 %) bei trockener Haut austrocknend wirken
- Olivenöl: überwiegend Ölsäure – milde Seife, hartes Seifenstück, leicht natürlich rückfettend – cremiger Schaum – Grundlage für Kastilien- und Aleppo-Seifen
- Nachhaltiges Palmöl: Palmitinsäure – verleiht dem Seifenstück Festigkeit und verlängert die Haltbarkeit – ökologisch umstritten, auf RSPO-Zertifizierung achten
- Sheabutter: Stearinsäure + unverseifbare Bestandteile – sorgt für Rückfettung und Geschmeidigkeit – wirkt besonders wohltuend bei empfindlicher Haut
- Rizinusöl: Ricinolsäure — erhält den Schaum und die Feuchtigkeit — immer in Kombination (max. 5–10 % in der Rezeptur)
Natürliche Pflanzenseife vs. zertifizierte Bio-Seife: Was ist der tatsächliche Unterschied?
Der Begriff „natürlich“ ist in der Kosmetik nicht gesetzlich geregelt – im Gegensatz zu „zertifiziert biologisch“.
- „Natürliche Seife“: Marketingaussage ohne rechtliche Bedeutung – eine Seife kann als natürlich bezeichnet werden, auch wenn ihre Inhaltsstoffe fragwürdigen Ursprungs sind – der Begriff allein garantiert nichts
- Cosmos Organic (Ecocert)-zertifizierte pflanzliche Seife: zertifizierte Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau, frei von Petrochemikalien, nachhaltige Verpackung – von einer unabhängigen Stelle kontrollierte Garantie
- Angabe „kaltverseift“: handwerkliches Verfahren, bei dem das natürliche Glycerin und die unverseifbaren Bestandteile erhalten bleiben – echter Mehrwert auch ohne Bio-Zertifizierung
- Auf der INCI-Liste: „Sodium Olivate“, „Sodium Cocoate“, „Sodium Shea Butterate“ = verseifte Öle – die Bezeichnung „Sodium [Öl]“ bestätigt, dass es sich um echte, verseifte pflanzliche Seife handelt
Wie verwendet und lagert man eine feste pflanzliche Seife richtig?
- Hände oder Körper mit lauwarmem Wasser anfeuchten – die Seife zwischen den Händen verreiben, um einen Schaum zu bilden, bevor man sie aufträgt – vermeiden Sie es, den Seifenblock direkt auf empfindliche Hautpartien zu reiben
- Gründlich abspülen – das natürliche Glycerin hinterlässt einen leichten, samtigen Film, der beim vollständigen Abspülen verschwindet
- Zum Trocknen sanft abtupfen, bei trockener Haut eine Körpercreme auftragen – der alkalische pH-Wert der Seife (auch bei pflanzlicher Seife) kann die Säurebarriere vorübergehend stören
- Ein wasserdurchlässiger und belüfteter Seifenhalter – unerlässlich für die Haltbarkeit – pflanzliche Seifen, die reich an unverseifbaren Bestandteilen sind, reagieren empfindlicher auf Wasser als industrielle Seifen
- Bei großen Seifenstücken: In mehrere Stücke schneiden, den Rest vakuumverpackt oder in einer luftdichten Dose aufbewahren
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