Was ist ein Reizdarm und worin unterscheidet er sich vom Reizkolon?
„Reizdarm“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung für das Reizdarmsyndrom (RDS) – eine chronische funktionelle Erkrankung ohne erkennbare organische Schädigung. Der Begriff „Reizkolon“ bezeichnet dasselbe Krankheitsbild mit einer vorwiegend im Dickdarm auftretenden Lokalisation. Informationen zur vollständigen Diagnose und zu den Rom-IV-Kriterien finden Sie auf unserer Seite zum Reizkolon. Unsere Lösungen finden Sie unter den Nahrungsergänzungsmitteln für das Reizkolon.
- Prävalenz und Profil: 10–15 % der Erwachsenen – doppelt so häufig bei Frauen (hormoneller Einfluss auf die Darmmotilität) – Beginn oft zwischen 20 und 40 Jahren – chronische Erkrankung, aber gutartige Prognose (kein Risiko für Krebs oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen)
- Viszerale Überempfindlichkeit: zentraler Mechanismus – das Gehirn empfindet eine Darmdehnung als schmerzhaft, die bei einem gesunden Menschen nicht schmerzhaft ist – erklärt die Schmerzen ohne sichtbare Läsion
- Gestörte Gehirn-Darm-Achse: bidirektional – Stress → verschlimmert das Reizdarmsyndrom (RDS) – schweres RDS → Angstzustände, Depressionen – 50 % der schweren RDS-Fälle weisen eine begleitende Angststörung auf
- Darmflora (Mikrobiota): Nachgewiesene Dysbiose bei Reizdarmsyndrom – Verringerung von Bifidobacterium und Lactobacillus – übermäßige Fermentation → Blähungen + Schmerzen – siehe unsere Seite zu Darmerkrankungen
- Postinfektiös: 10–25 % der IBS-Fälle beginnen nach einer infektiösen Gastroenteritis (postinfektiöses IBS) — dauerhafte Veränderung der Mikrobiota und der Darmpermeabilität
Ernährung, Ballaststoffe und Flüssigkeitszufuhr bei Reizdarmsyndrom
- Ernährungstagebuch und individuelle Auslöser: Nahrungsmittel + Uhrzeit + Symptome notieren – die Auslöser variieren stark von Person zu Person – nur eine individuelle Anpassung garantiert die Wirksamkeit
- Lösliche Ballaststoffe (Flohsamen, Hafer, Pektin, Banane): regulieren die Darmmotilität in beide Richtungen (Verstopfung + Durchfall) – werden beim Reizdarmsyndrom gut vertragen – schrittweise erhöhen
- Unlösliche Ballaststoffe sind mit Vorsicht zu genießen (Weizenkleie, rohes Gemüse): beschleunigen die Darmpassage, können jedoch Blähungen und Schmerzen beim Reizdarmsyndrom verschlimmern — Gemüse kochen, Weizenkleie reduzieren
- Flüssigkeitszufuhr 1,5–2 l/Tag: vorzugsweise stilles Wasser – kohlensäurehaltige Getränke (CO₂ = Blähungen) sowie mehr als 2 Tassen Kaffee pro Tag (beschleunigt die Darmperistaltik und verschlimmert IBS-D) und Alkohol (reizt die Schleimhaut) vermeiden
- FODMAP-Diät (bei mehreren ernährungsbedingten Symptomen empfehlenswert): siehe unsere Seite zum Reizdarm – Reduzierung fermentierbarer Kohlenhydrate über 6–8 Wochen unter ernährungswissenschaftlicher Aufsicht
Medikamente und natürliche Nahrungsergänzungsmittel bei Reizdarm
Entdecken Sie die bewährten Nahrungsergänzungsmittel in unserem Probiotika-Sortiment.
- Gezielte Probiotika bei Reizdarmsyndrom: Bifidobacterium infantis 35624 (alle Formen des Reizdarmsyndroms, Schmerzen + Blähungen + Darmtätigkeit), Lactobacillus rhamnosus GG (postinfektiöses Reizdarmsyndrom), Bifidobacterium bifidum MIMBb75 – Kurdauer 8–12 Wochen – schrittweise Ergebnisse
- Pfefferminze (magensaftresistente Kapseln): bewährtes Mittel gegen Koliken – siehe unsere Seite zu Verdauungskrämpfen
- Niedrig dosierte Antidepressiva: Trizyklika (Amitriptylin 10–25 mg) oder SSRI (Sertralin) – nicht zur Behandlung von Depressionen, sondern wegen ihrer Wirkung auf das enterische Nervensystem – reduzieren die viszerale Überempfindlichkeit – ärztliche Verschreibung erforderlich, Wirkung nach 4–6 Wochen
- Stuhlregulatoren je nach Subtyp: Macrogol (RDS-C) – Loperamid (RDS-D, Mindestdosis, nicht dauerhaft) – siehe unsere Seiten zu Verstopfung und Durchfall
- Ingwer + Kamille als Kräutertee: natürliche krampflösende Mittel zur Unterstützung – in die Routine nach den Mahlzeiten integrieren
Leben mit dem Reizdarm: Prävention, Bewegung und ganzheitliche Behandlung
- Körperliche Bewegung 30 Min. × 5 Mal pro Woche: verbessert die Vielfalt der Darmflora – reduziert den sympathischen Tonus (Stress) – verbessert die Darmperistaltik – Gehen, Schwimmen, Radfahren und Yoga sind intensiven Sportarten vorzuziehen (die die Beschwerden verschlimmern können)
- Regelmäßiger Schlaf von 7–9 Stunden: Schlafstörungen verschlimmern die viszerale Überempfindlichkeit – der Darm hat seine eigenen zirkadianen Rhythmen – regelmäßige Schlafens- und Aufstehzeiten
- Langfristiger Stressbewältigung: Herzkohärenz — Achtsamkeitsmeditation — KVT (kognitive Verhaltenstherapie) — darmorientierte Hypnotherapie — die Behandlung der damit verbundenen Angstzustände verbessert direkt das Reizdarmsyndrom
- Regelmäßige und auf mehrere Mahlzeiten verteilte Ernährung: 3 Mahlzeiten zu festen Zeiten + 1–2 Zwischenmahlzeiten – keine Mahlzeiten auslassen (unregelmäßige Peristaltik bei längerem Fasten) – langsam essen (20–30 Min.)
- Wann sollte man einen Arzt aufsuchen: Erstmaliges Auftreten ohne gestellte Diagnose — plötzliche Verschlechterung nach Jahren der Stabilität — Warnzeichen (Blut, Gewichtsverlust, Fieber, nächtliche Beschwerden) → immer erneut einen Arzt konsultieren — das Reizdarmsyndrom schützt nicht vor einer zusätzlich auftretenden Erkrankung