Was ist ein Hautpflaster und wie funktioniert die transdermale Verabreichung?
Das Hautpflaster ist ein System zur transdermalen Verabreichung von Wirkstoffen – die Haut nimmt den Wirkstoff auf, der direkt in den Blutkreislauf gelangt und dabei den ersten Durchgang durch die Leber umgeht. Diese Besonderheit unterscheidet es von oralen Darreichungsformen. Unser Sortiment an Schmerzmitteln umfasst verschiedene Arten von Pflastern, je nach Indikation.
- Diffusionsmechanismus: Der im Reservoir des Pflasters enthaltene Wirkstoff diffundiert durch die Kontrollmembran → durchdringt die Epidermis → erreicht die durchblutete Dermis → direkte Freisetzung ins Blut – stabile Blutkonzentration ohne Spitzen oder Einbrüche
- Vorteil der vermiedenen ersten Leberpassage: Arzneimittel mit starker hepatischer Metabolisierung (Östrogene, Testosteron, bestimmte Opioide) sind als Pflaster wirksamer – stabilere Plasmakonzentration als bei oraler Einnahme
- Wirkdauer: 24 Stunden bis 7 Tage, je nach Formulierung und Wirkstoff – durch regelmäßiges Wechseln werden konstante therapeutische Konzentrationen aufrechterhalten
- Erforderliche galenische Eigenschaften: ausreichende Lipophilie des Wirkstoffs (überwindet die Hautlipidbarriere), niedrige wirksame Dosis, Molekulargewicht < 500 Da
Welche Arten von Hautpflastern gibt es und für welche Indikationen?
Transdermale Pflaster decken ein breites therapeutisches Spektrum ab – wobei jede Produktfamilie ihre spezifischen Anwendungsmerkmale aufweist.
- Schmerzpflaster: Lidocain (Lokalanästhetikum – neuropathische Schmerzen), Fentanyl (Opioid – starke chronische Schmerzen), hochdosiertes Capsaicin (C-Fasern – Neuropathien) – für konzentrierte Formen ist eine ärztliche Verschreibung erforderlich
- Entzündungshemmende Pflaster: transdermale NSAR (Diclofenac, Ketoprofen) – oberflächliche Gelenk- und Muskelschmerzen – weniger Magen-Darm-Nebenwirkungen als orale NSAR
- Wärmepflaster: Eisenoxidationsreaktion – lokale Thermotherapie bei 40–45 °C über 8–12 Stunden – Lumbalgie, Nackenverspannungen, Menstruationsschmerzen
- Pflaster zur Raucherentwöhnung (Nikotin): 3 Konzentrationsstufen – Nikotinersatztherapie – schrittweise abnehmende Dosierung über 8–12 Wochen
- Hormonpflaster: Östrogene (Menopausenbehandlung), Testosteron (Hypogonadismus) – stabilere Plasmakonzentration als bei oraler Einnahme – ärztliche Verschreibung
Wie wird ein Hautpflaster angewendet und welche Stellen sind dafür am besten geeignet?
Die Anwendungstechnik hat direkten Einfluss auf die Wirksamkeit und die Hautverträglichkeit des Pflasters.
- Anwendungsstelle: saubere, trockene Haut ohne Behaarung und ohne Reizungen – Brust, Rücken, Schulter, Arm (je nach Typ) – Hautfalten, Reibungsstellen und bestrahlte Bereiche vermeiden
- Wechsel der Anwendungsstellen: Bei jedem neuen Pflaster die Stelle wechseln – beugt Mazeration und Hautreaktionen durch Wirkstoffansammlung vor
- Technik: Nach dem Aufbringen 30 Sekunden lang fest andrücken – das Pflaster nicht zuschneiden oder falten – nach der Handhabung die Hände waschen (mögliche Übertragung des Wirkstoffs)
- Duschen und Baden: Die meisten Pflaster sind wasserfest — bitte die Herstellerangaben beachten — nach Kontakt mit Wasser die Ränder andrücken, um den Halt zu gewährleisten
- Empfindliche, ekzematöse oder psoriatische Haut: Vor der Anwendung einen Arzt konsultieren – das Pflaster kann bereits bestehende Hautveränderungen verschlimmern
Aufbewahrung, Nebenwirkungen und wann sollte man einen Arzt konsultieren?
- Aufbewahrung: In der Originalverpackung bis zur Anwendung – Temperatur unter 25 °C – weder im Gefrierschrank noch in der Nähe einer Wärmequelle (Auto im Sommer) noch unter direkter Sonneneinstrahlung
- Entsorgung: Das gebrauchte Pflaster zusammenfalten (Klebefläche auf sich selbst) – nicht in den Abfluss werfen oder verbrennen – medikamentöse Pflaster (Fentanyl, Hormone) in die Apotheke zurückbringen
- Häufige Hautnebenwirkungen: Erythem an der Anwendungsstelle (häufig, harmlos) – Juckreiz – allergische Kontaktreaktion (Klebestreifen oder Wirkstoff) – bei Bläschen, Ödemen oder generalisiertem Ekzem: sofortiges Absetzen + Arztbesuch
- Allgemeine Kontraindikationen: verletzte, verbrannte oder infizierte Haut an der Anwendungsstelle — Haut mit aktiver atopischer Dermatitis
- Pflaster mit starken Wirkstoffen (Fentanyl, Hormone): ärztliche Verschreibung – die Dosis niemals eigenmächtig erhöhen – Risiko einer transdermalen Überdosierung bei Anwendung auf erhitzter Haut (heißes Bad, Fieber)