Die Qualität eines ätherischen Öls hängt von mehreren Kriterien ab, die jeder informierte Käufer überprüfen sollte. Das Etikett eines hochwertigen ätherischen Öls muss folgende Angaben enthalten: den vollständigen botanischen Namen (Gattung, Art und Sorte), gegebenenfalls den Chemotyp (CT) (z. B. Thymian mit Thymol ≠ Thymian mit Linalool), das Erzeugerorgan, das Herkunftsland, die Produktionsweise (ECOCERT- oder Cosmébio-zertifiziert), das Extraktionsverfahren (Wasserdampfdestillation, Kaltpressung bei Zitrusfrüchten) sowie den Gehalt an Hauptbestandteilen, der mittels Gaschromatographie (GC/MS) überprüft wurde. Die Gütesiegel HEBBD (botanisch und biochemisch definiertes ätherisches Öl) und HECT (chemotypisiertes und vollwertiges ätherisches Öl) garantieren die botanische Identität und die chemische Zusammensetzung. Niaouli (Melaleuca quinquenervia CT 1,8-Cineol) veranschaulicht die Bedeutung des Chemotyps – derselbe Baum produziert je nach geografischem Gebiet völlig unterschiedliche ätherische Öle.
Jede Anwendungsart weist unterschiedliche Profile hinsichtlich Bioverfügbarkeit und Risiko auf. Die olfaktorische Anwendung (Diffusion, Inhalation über ein Taschentuch oder einen Inhalator) ist die zugänglichste und sicherste – sie ermöglicht einen schnellen Zugang zum limbischen System ohne nennenswerte systemische Exposition. Die verdünnte Anwendung auf der Haut (2–5 % in einem Pflanzenöl) ermöglicht eine langsame transdermale Aufnahme – immer verdünnt, niemals unverdünnt auf der nackten Haut (Risiko von Verätzungen und allergischer Sensibilisierung). Die orale Einnahme in Form von neutralen Tabletten oder Kapseln (Ingwer, Lavendel, Thymian, Oregano) weist die höchste systemische Bioverfügbarkeit auf – sie ist Erwachsenen vorbehalten, für kurze Kurphasen (maximal 5 bis 10 Tage) und stets unter Anleitung einer in Aromatherapie ausgebildeten medizinischen Fachkraft.
Nasale Inhalatoren (Inhalationsstift, Pérubore-Ampullen, Calyptol) ermöglichen eine konzentrierte und gezielte Inhalation, ideal bei akuten HNO-Erkrankungen (Erkältung, Sinusitis, verstopfte Nase), die eine hohe Konzentration an 1,8-Cineol (Eukalyptus, Niaouli) erfordern. Ultraschall-Diffusoren verteilen Mikrotröpfchen ätherischer Öle bei Raumtemperatur und bewahren so die thermolabilen Wirkstoffe – geeignet zur Entspannung, Luftreinigung und für empfindliche ätherische Öle (Blüten, Zitrusfrüchte). Kaltluftvernebler erzeugen konzentriertere Nanopartikel und werden für therapeutische ätherische Öle zur Infektionsbekämpfung empfohlen. Die feuchte Inhalation (Schüssel mit heißem Wasser + 3–5 Tropfen ätherisches Öl, Kopf unter einem Handtuch) ist wirksam für die Atemwege, bei Asthma jedoch kontraindiziert.
Das ätherische Öl des Gewöhnlichen Oreganos (Origanum vulgare, Carvacrol-Gehalt 60–80 %) ist eines der wirksamsten antibakteriellen Mittel in der Aromatherapie – es wirkt gegen ein breites Spektrum an Bakterien und Pilzen (Candida albicans). Die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen sind:
Durchblutungsfördernde Gele mit ätherischen Ölen (Mischformeln mit mehreren ätherischen Ölen, darunter Pfefferminze, Wintergrün, Zypresse und Zitronen-Eukalyptus) wirken kühlend, gefäßerweiternd und venolymphatisch abschwellend. Menthol aktiviert die TRPM8-Rezeptoren für Kälte auf der Haut und erzeugt ein Gefühl von Leichtigkeit. Die Zypresse (α-Pinen, δ-3-Caren) wirkt lokal venotonisch. Die Anwendung durch eine aufsteigende Massage (Knöchel → Knie → Oberschenkel) fördert den venösen Rückfluss. Das schmerzlindernde Spray mit ätherischen Ölen (Wintergrün + Wintergras + Kampferbaum) ist aufgrund seiner gegenreizenden Wirkung bei leichten bis mäßigen Muskelschmerzen angezeigt.
Der Teebaum (Melaleuca alternifolia, mit einem Anteil von 30–40 % Terpinen-4-ol) ist eines der vielseitigsten und sichersten ätherischen Öle der modernen Aromatherapie. Seine antibakterielle (Gram+ und Gram-), antimykotische (Candida, Dermatophyten) und antivirale Wirkung macht es zu einem Wirkstoff erster Wahl für antiinfektiöse Inhalationsmittel, antiseptische Hautgele und -balsame sowie luftreinigende Formulierungen. In einer 5-prozentigen Verdünnung in einem Pflanzenöl wird es bei der Anwendung auf der Haut bei kleinen Wunden, Hautunreinheiten, beginnenden Nagelpilzinfektionen und Insektenstichen gut vertragen. Es gehört zur gleichen Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae) wieEukalyptus und Niaouli – einer Familie, die für ihre antiinfektiösen und atemwegsstärkenden Eigenschaften bekannt ist. Bei der feuchten Inhalation oder mit einem Inhalationsstick ergänzt es Eukalyptus radiata ideal bei winterlichen HNO-Erkrankungen.