Die Schlafregulation beruht auf zwei unterschiedlichen und sich ergänzenden biologischen Prozessen. Der S-Prozess (homöostatisch) ist der Schlafdruck, der sich im Laufe des Tages unter dem Einfluss von Adenosin im Gehirn aufbaut – je länger man wach bleibt, desto stärker wird dieser Druck und desto leichter fällt das Einschlafen. Der C-Prozess (zirkadianer Prozess) ist das Signal der inneren biologischen Uhr (Nucleus suprachiasmaticus), das bestimmt, wann man biologisch bereit zum Schlafen ist, unabhängig von der Dauer des Wachseins. Das Zusammenspiel dieser beiden Prozesse erklärt, warum man erschöpft sein kann, aber dennoch nicht einschlafen kann, oder warum man mitten am Nachmittag trotz ausreichender Nachtruhe schläfrig ist. Anhaltende chronische körperliche Erschöpfung ist oft eher ein Zeichen für eine Desynchronisation dieser beiden Prozesse als für einen einfachen Schlafmangel.
Die circadiane Uhr (Nucleus suprachiasmaticus, ca. 20.000 Neuronen) steuert einen Zyklus von durchschnittlich etwa 24 Stunden und 11 Minuten – etwas länger als der Sonnentag, was die natürliche Tendenz zur Verschiebung in Richtung späterer Tageszeiten erklärt. Sie wird täglich durch „Zeitgeber“ (Zeitgeber) synchronisiert, die sie zurücksetzen:
Das Gedächtnis und die Gedächtniskonsolidierung werden direkt von der zirkadianen Uhr gesteuert – eine chronische Desynchronisation beeinträchtigt die nächtliche Speicherung der Informationen des Tages.
Der Chronotyp bezeichnet die natürliche Neigung, biologisch gesehen ein „Morgenmensch“ (früher ins Bett, früh aufstehen) oder ein „Abendmensch“ (spät ins Bett, spät aufstehen) zu sein. Er wird zu 50 % genetisch bestimmt (Taktgene PER1/PER2/CRY1) und verändert sich mit dem Alter – Jugendliche haben von Natur aus einen verzögerten Chronotyp, der sich im Alter von etwa 20 bis 25 Jahren normalisiert. Der „Abend“-Chronotyp leidet besonders unter der sozialen Zeitverschiebung: Seine biologischen Rhythmen stimmen nicht mit den beruflichen oder schulischen Anforderungen überein, was zu chronischem Schlafmangel und verminderter Konzentrationsfähigkeit am Vormittag führt. Um einen verzögerten Chronotyp schrittweise vorzuverlegen: Lichttherapie am Morgen (10.000 Lux, 20–30 Minuten direkt nach dem Aufwachen), Melatonin am späten Nachmittag (0,5 mg gegen 17–18 Uhr) sowie die strikte Einhaltung einer festen Aufstehzeit, auch am Wochenende.
Melatonin (Hormon der Zirbeldrüse, das ab etwa 21 Uhr ausgeschüttet wird) ist das hormonelle Signal der Nacht – es macht nicht schläfrig, sondern signalisiert dem Körper, dass es dunkel geworden ist, und löst so die physiologische Schlafkaskade aus. Seine körpereigene Produktion hängt von mehreren Cofaktoren ab: Tryptophan (Vorläufer), Vitamin B6 (enzymatischer Cofaktor), Magnesium und Zink. Vitamin B12 spielt eine nachweislich spezifische Rolle bei der zirkadianen Regulation – es ist an der Melatoninsynthese und an der Empfindlichkeit der inneren Uhr gegenüber Lichtsignalen beteiligt. Ein B12-Mangel kann die circadiane Uhr desynchronisieren und zu Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus führen, die unabhängig von jeglichen psychologischen Faktoren sind.
Eine nachhaltige Schlafregulierung erfordert Wirkstoffe, die auf die circadiane Uhr, den homöostatischen Druck oder die Widerstandsfähigkeit gegenüber chronischem Stress einwirken. Ginseng (Panax ginseng, Ginsenoside), der ausschließlich morgens eingenommen wird, stärkt die Wachsamkeit am Tag und verbessert die nächtliche Schlafqualität durch eine bessere Adenosinansammlung im Wachzustand. Vielseitige homöopathische Präparate (Komplex L72, Homéogène 46, Quiétude pédiatrique) regulieren Unruhe- und Angstzustände, die beide Prozesse stören, ohne eine Abhängigkeit hervorzurufen. Die Bio-Ampullen zur Entspannung und Gelassenheit (Passionsblume, Mohnblume, Baldrian in Glycerinmazeraten) reduzieren die nächtliche Überaktivierung des Sympathikus, die den C-Prozess in einem Zustand künstlicher Wachsamkeit hält.
Um die eigene Schlafregulierung einzuschätzen, muss man zunächst einige einfache Indikatoren beobachten: die natürliche Einschlaf- und Aufwachzeit ohne Zwang (Chronotyp), die Einschlaflatenz, das Vorhandensein oder Fehlen spontaner nächtlicher Aufwachphasen sowie die Wachsamkeit am Vormittag. Ein über zwei Wochen geführtes Schlaftagebuch ermöglicht es, Desynchronisationsmuster zu erkennen. Zu den praktischen Hilfsmitteln zur Resynchronisation gehören eine Lichttherapie-Lampe (10.000 Lux, 20–30 Minuten am Morgen), die Einhaltung fester Essenszeiten (Mahlzeiten sind nach dem Licht die zweitwichtigsten Synchronisationsfaktoren), den Verzicht auf Koffein nach 14 Uhr (es blockiert die Adenosinrezeptoren und stört den S-Schlaf) sowie den Aufenthalt in der Natur am Morgen (natürliches Licht + leichte körperliche Aktivität). Der Jetlag ist das deutlichste Beispiel für eine gestörte Regulation – Strategien zur Resynchronisierung durch Melatonin und Licht stellen das beste praktische Modell für eine gezielte Schlafregulation dar.